Definition:
Sensorische Empfindlichkeit bezeichnet eine erhöhte Wahrnehmung und Reaktion auf sensorische Reize aus der Umwelt. Dies kann sich in einer Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen (z. B. Geräusche, Licht, Berührungen) oder in einer erhöhten Sensibilität für subtile Nuancen äußern.
Arten von sensorischer Empfindlichkeit:
- Visuelle Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber hellem Licht, flackernden Lichtern oder visuellen Mustern.
- Feine Wahrnehmung von Farben, Formen und Details.
- Auditive Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, bestimmten Tonfrequenzen oder Hintergrundgeräuschen.
- Feines Gehör und Wahrnehmung von subtilen Klangnuancen.
- Taktile Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Texturen, Berührungen oder Kleidungsmaterialien.
- Feine Wahrnehmung von Temperatur, Druck und Oberflächenstrukturen.
- Olfaktorische Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber starken Gerüchen, Parfüms oder chemischen Düften.
- Feine Wahrnehmung von subtilen Gerüchen und Duftnuancen.
- Gustatorische Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Geschmacksrichtungen, Gewürzen oder Lebensmittelzusatzstoffen.
- Feine Wahrnehmung von subtilen Geschmacksnuancen.
- Vestibuläre Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber Bewegungen, wie Schaukeln, Autofahren oder Aufzug fahren.
- Feine Wahrnehmung des Gleichgewichtes.
- Propriozeptive Sensibilität:
- Überempfindlichkeit gegenüber der eigenen Körperhaltung.
- Feine Wahrnehmung der eigenen Körperposition im Raum.
Ursachen von sensorischer Empfindlichkeit:
- Hochsensibilität (HSP): Ein Persönlichkeitsmerkmal, das mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen einhergeht.
- Autismus-Spektrum-Störung (ASS): Sensorische Empfindlichkeit ist ein häufiges Merkmal von Autismus.
- Sensorische Verarbeitungsstörung (SPS): Eine neurologische Störung, die die Verarbeitung sensorischer Informationen beeinträchtigt.
- Traumatische Erfahrungen: Traumatische Ereignisse können zu einer erhöhten Sensibilität gegenüber sensorischen Reizen führen.
- Neurologische Erkrankungen: Bestimmte neurologische Erkrankungen können sensorische Empfindlichkeit verursachen.
Auswirkungen von sensorischer Empfindlichkeit:
- Überstimulation: Reizüberflutung und Überforderung durch sensorische Reize.
- Vermeidungsverhalten: Vermeidung von Situationen oder Orten, die sensorische Überstimulation auslösen.
- Stress und Angst: Chronischer Stress durch sensorische Überstimulation.
- Soziale Isolation: Rückzug aus sozialen Situationen aufgrund von sensorischer Überforderung.
- Erschöpfung: Ständige Verarbeitung intensiver sensorischer Reize kann zu Erschöpfung führen.
- Hohe Kreativität: Durch die Feinwahrnehmung, kann es zu einer erhöhten Kreativität kommen.
Umgang mit sensorischer Empfindlichkeit:
- Selbstwahrnehmung: Die eigenen sensorischen Bedürfnisse erkennen und respektieren.
- Anpassung der Umgebung: Die Umgebung an die eigenen sensorischen Bedürfnisse anpassen (z. B. Lärmschutz, gedämpftes Licht).
- Entspannungstechniken: Achtsamkeit, Meditation, Atemübungen.
- Pausen: Regelmäßige Pausen einlegen, um sensorische Überstimulation zu vermeiden.
- Professionelle Hilfe: Bei starker Beeinträchtigung kann eine Therapie oder Beratung hilfreich sein.