

Es gibt eine besondere Sorte von schlechtem Gewissen, die viele sensible Menschen kennen:
den Blick durch die eigene Wohnung.
Der Flur: Schuhe, Taschen, Jacken.
Die Küche: Post, Zettel, eine Tasse, die „nur kurz“ stehen blieb.
Das Wohnzimmer: Wäschekorb, Bücher, häufchenweise Dinge, die „noch weggeräumt werden“ wollen.
Und dann dieser Gedanke:
„Ich bin erwachsen. Warum kriege ich das nicht hin?“
Vielleicht triggert dich der Satz:
„Andere arbeiten Vollzeit, haben drei Kinder und trotzdem ist es bei denen sauber.“
Wenn du hochsensibel oder Scanner bist, möchte ich dir heute eine andere Perspektive anbieten:
Ordnung ist für dich nicht einfach nur eine Frage von Disziplin.
Sie ist eng mit deinem Nervensystem verknüpft.
Hochsensible Menschen nehmen mehr wahr als andere – auch im eigenen Zuhause.
Das bedeutet:
Jeder Gegenstand ist ein Reiz.
Jeder Stapel „spricht“ mit dir („Da ist noch was offen“).
Jede Ecke erzählt eine Geschichte.
Ein Raum, den andere als „ein bisschen vollgestellt“ empfinden, kann sich in deinem System anfühlen wie ein überfüllter Bahnhof.
Dazu kommt deine Tiefenverarbeitung:
Du siehst nicht nur „eine Kiste mit Erinnerungen“,
du siehst:
den Urlaub, aus dem die Muschel stammt
die Freundin, die dir etwas geschenkt hat
das frühere Ich, das diesen Stil mochte
Jede Aufräumaktion ist damit nicht nur körperlich, sondern auch emotional fordernd.
Wenn du zusätzlich Scanner bist, kennst du vielleicht folgendes Bild:
Bastelzeug hier
ein halbfertiger Onlinekurs dort
Notizbücher mit Ideenstichworten
Materialien für „das Projekt, das ich unbedingt noch starten will“
Du bist nicht „verzettelt im Sinne von unfähig“.
Du bist vielseitig – und das hinterlässt sichtbare Spuren.
Das Problem entsteht, wenn aus:
„Hier liegt mein lebendiges Leben“
im Kopf wird:
„Ich bin chaotisch und kriege nichts auf die Reihe.“
Es ist wichtig, diese beiden Sätze zu unterscheiden.
Klar:
Eine komplett chaotische Umgebung tut den wenigsten gut.
Aber es geht nicht darum, Minimalismus als neuen Moralstandard einzuführen.
Es geht eher um Fragen wie:
„Wo kann ich mir kleine Inseln der Klarheit schaffen?“
„Wie kann ich mein Zuhause so gestalten, dass mein Nervensystem nicht permanent überfordert ist?“
„Welche Ordnung passt zu mir – nicht zu Instagram?“
Ordnung darf dich unterstützen, nicht bestrafen.
Du musst dein komplettes Leben nicht von heute auf morgen umkrempeln.
Aber du kannst anfangen, in kleinen Schritten Strukturen aufzubauen, die zu dir passen.
Statt „Heute räume ich alles auf“, such dir eine kleine Fläche:
das Nachtkästchen
einen Meter Küchenarbeitsfläche
ein Stück deines Schreibtischs
Stell einen Timer auf 5 Minuten.
In dieser Zeit:
kommt Müll weg
Dinge, die woanders hingehören, kommen in eine Kiste
der Rest bekommt einen klaren Platz
Danach hörst du auf.
Auch wenn noch nicht alles „perfekt“ ist.
Der Effekt:
Du siehst einen sichtbaren Unterschied.
Du erlebst dich als handlungsfähig.
Dein System speichert: „Ordnung ist möglich – in kleinen Dosen.“
Statt dich für angefangene Projekte zu schämen, kannst du ihnen einen offiziellen Platz geben.
So könnte das aussehen:
Du richtest eine Box oder ein Regalbrett als „Projekt-Parkplatz“ ein.
Alle Dinge, die zu einem begonnenen Projekt gehören, kommen gesammelt dorthin.
Du legst eine Notiz dazu: „Projekt, Stand, Idee.“
Es ist wie ein Parkplatz für dein kreatives Gehirn –
nicht wie eine Müllkippe.
Du musst nicht über jedes begonnene Projekt stolpern.
Du darfst sagen: „Du bist wichtig, aber gerade nicht aktiv.“
Bevor du den großen Angriff auf die Küche oder den Kleiderschrank startest, mach kurz Pause.
Frag dich:
„Wie bin ich gerade drauf – körperlich, emotional?“
„Hab ich heute die Energie für eine größere Runde, oder ist mehr als 5 Minuten nicht drin?“
Dann richte deine Aktion nach deiner Energie aus – nicht nach deinem Idealbild.
Lieber dreimal 10 Minuten in guter Verfassung,
als einmal 3 Stunden bis zum emotionalen Zusammenbruch.
Ordnung entsteht durch Wiederholung, nicht durch Einmal-Aktionen.
Beispiele für „Reset light“:
Abends 10 Dinge zurück an ihren Platz legen
nach dem Kochen die Arbeitsfläche freiräumen
einmal die Woche „Zukunfts-Ich unterstützen“: Müll raus, Spülmaschine an, ein Zimmer kurz durchsaugen
Nicht, weil du „brav sein“ musst,
sondern weil du deinem Zukunfts-Ich helfen willst, leichter zu starten.
Vielleicht ist der wichtigste Schritt innerlich:
Dir zu erlauben, nicht perfekt zu sein.
Du darfst dir sagen:
„Ich bin kein schlechter Mensch, weil es gerade voll ist.“
„Ich darf lernen – auch mit Mitte 30, 40, 50.“
„Ordnung ist kein Werturteil über meinen Charakter.“
Wenn du merkst, dass Scham dich immer wieder blockiert –
dass du niemanden einlädst, dich zurückziehst, dich selbst ständig abwertest –
dann ist das ein wichtiges Signal.
Nicht dafür, härter mit dir zu werden.
Sondern dafür, dass du dir Unterstützung holen darfst.
Gerade Hochsensible haben oft gelernt, sehr lange stark zu sein.
Für andere.
Für den Job.
Für die Familie.
Ordnung, Struktur, Routinen – all das sind keine Dinge, die du „einfach können musst“.
Es sind Fähigkeiten, die man lernen, üben und an die eigene Art anzupassen kann.
Wenn du spürst:
„Ich wünsche mir jemanden, der mit mir nicht nur meine Wohnung, sondern auch meine Muster anschaut“
„Ich will raus aus diesem ‚Mit mir stimmt was nicht‘-Gefühl“
„Ich möchte meinen Alltag so gestalten, dass mein Nervensystem mitkommt“
dann kann ein Gespräch der erste Schritt sein.
In deinem kostenfreien Orientierungsgespräch schauen wir zusammen:
Wo stehst du gerade – räumlich, im Alltag, beruflich?
Welche Belastungen machen dein Leben schwerer, als es sein müsste?
Welche kleinen, aber wirksamen Schritte passen zu dir und deinem sensiblen System?
Vielleicht ist es Zeit, dass du dir Unterstützung holst – nicht, weil du schwach bist,
sondern weil du es verdient hast, in einer Umgebung zu leben, die dich unterstützt.
Nicht perfekt.
Aber deine Art von Ordnung.
Hier geht es zu deinem kostenfreien Gespräch. KLICK!