Frau zwischen lebendigem Austausch und ruhigem Rückzug – Symbol für hochsensible extrovertierte Menschen (HSE)

Ich dachte, ich bin nicht hochsensibel – bis ich mich endlich verstanden habe

Episode Nr. #187

12.05.2026

Warum du nicht in die HSP-Schublade passt – obwohl du hochsensibel bist (HSE)

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.

Hochsensibilität

Warum du dich in keiner HSP-Beschreibung wiederfindest – und trotzdem hochsensibel sein kannst

Nicole · Frau Sensibel·6 min Lesezeit · aktualisiert am 01.06.2026

Du beschäftigst dich mit Hochsensibilität – und hast gleichzeitig das Gefühl: Ein Teil von mir passt da rein. Und ein anderer Teil irgendwie nicht. Genau dieses „Dazwischen” ist oft kein Widerspruch, sondern ein Hinweis.

Du liest Artikel, hörst Podcasts oder machst einen Test. Und plötzlich ist da dieses gespaltene Gefühl: „Ja, das passt total zu mir.” – und gleichzeitig: „Irgendwie aber auch nicht.”

Du erkennst dich nicht vollständig wieder. Nicht in dem Bild von jemandem, der sich ständig zurückzieht. Nicht in dem Bild von jemandem, der schnell überfordert ist oder am liebsten allein ist. Im Gegenteil: Du bist gern unter Menschen. Du magst Austausch, Gespräche, Lebendigkeit.


Dann kann ich ja nicht hochsensibel sein.

Viele hören genau an diesem Punkt auf, weiter hinzuschauen. Dabei liegt hier oft der entscheidende Moment.

Wenn Erleben und Verhalten nicht zusammenpassen

Was stattdessen oft passiert: keine große Erkenntnis – sondern leise Irritationen im Alltag.

Typische Momente

Du kommst nach einem schönen Treffen nach Hause – und merkst plötzlich, wie leer du bist.

Du bist mitten in einem guten Gespräch, fühlst dich verbunden – und es wird innerlich langsam enger.

Du freust dich auf etwas, genießt es – und brauchst danach Zeit, um alles zu verarbeiten.

Dann taucht diese Frage auf: „Warum kippt das immer so plötzlich?” Von außen wirkt das oft unspektakulär. Aber innerlich ist es viel – oft mehr, als du dir lange eingestehen wolltest.

Das Bild von Hochsensibilität ist oft zu eng

Viele Menschen haben ein sehr klares Bild von Hochsensibilität: leise, zurückhaltend, schnell überfordert. Und ja – das ist eine Form davon. Aber nicht die einzige.

Der entscheidende Unterschied

Hochsensibilität beschreibt nicht in erster Linie, wie du dich nach außen verhältst. Sondern wie dein Nervensystem Reize verarbeitet. Und genau hier entsteht häufig die Verwirrung.

Wenn du beides bist: lebendig und feinfühlig

Vielleicht bist du jemand, der gern erlebt. Der Austausch braucht, um sich inspiriert zu fühlen. Der Gespräche liebt, Ideen entwickelt, sich verbindet. Und gleichzeitig nimmst du sehr viel wahr: Stimmungen, Zwischentöne, unausgesprochene Erwartungen, kleinste Veränderungen im Raum.

Während du mitten im Geschehen bist, fällt dir das oft gar nicht auf. Erst danach – wenn es ruhig wird – beginnt dein System, all das zu verarbeiten, was vorher einfach „mitgelaufen” ist.

Das eigentliche Missverständnis

Viele denken, sie müssten sich entscheiden: entweder extrovertiert oder hochsensibel. Aber vielleicht ist genau das der Denkfehler.

Was viele denken

Entweder extrovertiert …

… oder hochsensibel.

Was wirklich möglich ist

Menschen lieben – und trotzdem Rückzug brauchen.

Präsent sein, lachen, reden – und danach erschöpft sein.

Energie aus Begegnung ziehen – und gleichzeitig viel verarbeiten.


Das ist kein Widerspruch. Es ist einfach eine Kombination, über die viel seltener gesprochen wird.

Warum du dich lange nicht erkannt hast

Wenn dein Verhalten nicht zu dem Bild passt, das du kennst, erkennst du dich oft selbst nicht. Du liest Beschreibungen und denkst: „So bin ich nicht.” Und übersiehst dabei all das, was eigentlich sehr wohl zutrifft. Nicht weil du nicht hinschauen willst – sondern weil die Beschreibung zu eng ist. So entsteht dieses Gefühl, irgendwo dazwischen zu sein.

Was sich verändert, wenn du genauer hinschaust

Es wird klarer, wenn du aufhörst, nur dein Verhalten zu bewerten – und anfängst, dein inneres Erleben ernst zu nehmen. Wenn du nicht mehr nur fragst: „Wie wirke ich nach außen?” sondern: „Was passiert eigentlich in mir?”

Was du dann verstehst

  • Warum dich manche Dinge mehr Kraft kosten, obwohl sie sich gut anfühlen
  • Warum du länger brauchst, um wieder bei dir anzukommen
  • Warum dein Energielevel manchmal nicht zu dem passt, was du gerade tust
  • Und vor allem: dass mit dir nichts falsch ist

Was dir im Alltag wirklich hilft

Du brauchst nicht weniger Leben. Nicht weniger Menschen. Nicht weniger Austausch. Aber du brauchst einen bewussteren Umgang mit deiner Energie.

  • Nicht nur planen, was du tust – sondern auch, was danach kommt
  • Früher wahrnehmen, wann es innerlich enger wird
  • Ehrlich hinschauen, was dich etwas kostet – auch wenn es sich gut anfühlt
  • Dir erlauben, dich nicht in eine feste Schublade einordnen zu müssen

Du erkennst dich hier wieder?

In Podcastfolge #008 gehe ich noch tiefer darauf ein, warum sich Hochsensibilität bei manchen Menschen ganz anders zeigt als erwartet – und wie du einen besseren Umgang damit finden kannst.

Wenn du merkst, dass dich dieses „Hin und Her” im Alltag Kraft kostet, können wir das gemeinsam sortieren. In einem kostenlosen Orientierungsgespräch schauen wir, wo du gerade stehst – und was dir konkret helfen kann, stabiler mit deiner Sensibilität umzugehen.

Zum Orientierungsgespräch →

Nicole Führing
Nicole Führing | Expertin für HSP & Scanner | Endlich. Selbst. Werden.
Deine Begleiterin, Coach, Sparringspartnerin oder auch Komplizin für deine Herausforderungen