

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Scanner. Auf der Übersichtsseite zu Scanner findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als vielseitiger Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Warum du nicht zu viel bist – sondern genau richtig. Eine liebevolle Sortierrunde für dein inneres „Anderssein“.
Nicht, weil sie laut geschrien werden – sondern weil sie so nebenbei fallen. Wie kleine Nadelstiche in einem Moment, in dem du einfach nur du warst.
„Na klar, du weißt ja auch wieder alles.“
„Du musst dich auch immer zu Wort melden, oder?“
„Streber.“
Vielleicht kennst du solche Kommentare. Du interessierst dich für viele Themen, liest querbeet, merkst dir Details – und plötzlich stehst du da als Besserwisser:in.
Oder du bist hochsensibel, nimmst Stimmungen, Zwischentöne und unausgesprochene Dinge wahr – und bekommst zurück:
„Jetzt sei doch nicht so empfindlich.“
In diesem Beitrag geht es um genau diese Mischung: Scanner-Persönlichkeit und Hochsensibilität – und warum beides oft missverstanden wird. Mit einer echten Erinnerung aus meiner Kindheit. Und ein paar Ideen, wie du dich heute besser schützen und verstehen kannst.
Ich nehme dich mit ins Jahr 1988. Ich war elf Jahre alt, auf einem Kindergeburtstag. Schnitzeljagd mit Wissensfragen – eigentlich mein Ding.
„Wie heißt der Schauspieler aus Goldfinger, der gerade gestorben ist?“
Ich wusste: Gert Fröbe. Ich hatte es im Radio gehört.
Dann: „Wie viele Zähne hat ein vollständiges Gebiss?“
Meine Antwort: 32. Wieder richtig. Unsere Gruppe gewann.
Aber was blieb, war nicht die Freude. Sondern die Reaktion der anderen:
„Woher weißt du sowas?“
„Du hast bestimmt geschummelt.“
„Streber.“
Ich fühlte mich falsch – nur, weil ich etwas wusste.
Vielleicht kennst du das: Du nennst ein Detail, erinnerst dich an eine Zahl, bringst einen Zusammenhang – und statt „Wow!“ kommt nur: „Muss das jetzt sein?“
Als Scanner bist du ein Mensch mit vielen Interessen. Du saugst Wissen auf, verknüpfst blitzschnell, merkst dir scheinbar mühelos Zusammenhänge.
Nicht, um dich zu profilieren. Sondern weil du ehrlich interessiert bist.
Dein System ist auf Empfang. Du hörst was, liest was, speicherst es – oft ohne Absicht.
Von außen wirkt das manchmal einschüchternd. Für dich ist es normal.
Und genau da beginnt der Schmerz.
Wenn du zusätzlich hochsensibel bist, dann nimmst du nicht nur Inhalte auf – sondern auch Schwingungen.
Ein Augenrollen. Ein ironischer Ton. Ein flüchtiger Blick.
Und plötzlich bist du mitten im Gedankenkarussell:
Ein Spruch wie „Du weißt natürlich wieder alles“ kann dich innerlich tagelang beschäftigen – auch wenn er als Scherz gemeint war.
Vielleicht kennst du diese Sätze:
„Du bist halt eine Streberin.“
„Du bist zu empfindlich.“
„Du willst immer etwas Besonderes sein.“
Diese Kommentare treffen nicht nur in dem Moment. Sie prägen deine innere Stimme. Und irgendwann fragst du dich:
Du fängst an, dich zu bremsen. Du redest dir ein: „So besonders ist das nicht.“
Und das kann wehtun – denn es trennt dich von deinen Stärken.
Wenn du früher gelernt hast: „Ich bin anders = ich bin allein“, dann reagiert dein System heute besonders wach auf Ablehnung.
Ein ironischer Spruch kann dein Nervensystem in Alarm bringen. Weil es sich erinnert: Das war früher schmerzhaft. Ich war nicht sicher.
Das bedeutet nicht, dass du zu empfindlich bist.
Es zeigt nur, wie fein dein System arbeitet – um dich zu schützen.
Vielleicht hast du schon probiert:
Wenn das funktionieren würde, wärst du nicht hier. Denn: Du kannst dein Nervensystem nicht mit reinen Gedanken umprogrammieren.
Was stattdessen hilft?
Du bist nicht kompliziert. Du bist komplex. Und das ist ein Unterschied.
Wenn du deine vielen Begabungen, deine Hochsensibilität und dein Scanner-Sein als Teil deiner Identität annimmst, verändert sich etwas:
Das ist kein „Ich bin besser“-Moment. Es ist ein „Ich darf so sein“-Moment.
Schau genauer hin:
Je klarer du deine Themen erkennst, desto besser kannst du dich unterstützen – statt kritisieren.
Manchmal liegt die Wurzel deines Zweifels in alten Situationen:
Diese Erfahrungen wirken nach – bis heute. Ein liebevoller Blick zurück hilft dir, dein Jetzt besser zu verstehen.
Du musst niemandem alles erzählen. Du musst nicht sofort „voll sichtbar“ sein.
Aber du darfst heute damit anfangen:
Wenn du beim Lesen gespürt hast:
„Das bin ich. Das trifft so viel in mir.“
Dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein. Und du musst das nicht allein sortieren.
Ein Orientierungsgespräch kann dir helfen:
Du musst dich nicht verändern, um okay zu sein.
Aber du darfst dich besser verstehen – und dir erlauben, mit deiner Art zu leben, statt sie zu bekämpfen.
Wenn du magst, begleite ich dich ein Stück auf diesem Weg.
Aktualisiert am 23.01.2026