Wie Scanner-Glaubenssätze Dein Potenzial blockieren – und was Du tun kannst

Episode Nr. #007

19.11.2022

Die Glaubenssätze der Scanner

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Scanner. Auf der Übersichtsseite zu Scanner findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als vielseitiger Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.

Scanner-Glaubenssätze: Warum sie so hartnäckig sind – und wie du sie sanft lösen kannst

Heute geht es um ein Thema, das viele Scanner richtig gut kennen: Glaubenssätze.
Diese inneren Sätze, die sich nicht wie „Gedanken“ anfühlen, sondern wie Wahrheit.

Wir schauen uns drei typische Scanner-Glaubenssätze an, die mir in Coachings immer wieder begegnen:

  • „Ich kann das nicht (richtig).“

  • „Ich kann mich nicht entscheiden.“

  • „Ich bringe nie etwas zu Ende.“

Und wir klären dabei auch den Unterschied zwischen Tauchern und Seglern – weil das allein schon vieles entlasten kann.

Am Ende bekommst du eine kleine, alltagstaugliche Anleitung, wie du diese Glaubenssätze auflockern und verändern kannst – ohne dich zu verbiegen.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind unbewusste Überzeugungen, die wir im Laufe unseres Lebens übernommen haben.
Oft entstehen sie aus wiederholten Erfahrungen, Aussagen oder Vorbildern – z. B. durch Familie, Schule, Autoritäten oder das Umfeld.

Das sind nicht nur „irgendwelche Sätze“.
Sie sind eher wie innere Programme, nach denen wir handeln – auch wenn wir längst erwachsen sind.

Beispiele, die viele von klein auf gehört haben:

  • „Das machst du falsch.“

  • „Dafür bist du noch zu klein.“

  • „Das können wir uns nicht leisten.“

  • „Geld wächst nicht auf Bäumen.“

  • „Was bildest du dir überhaupt ein?“

Wenn wir solche Botschaften oft genug hören, speichert unser System sie ab – und irgendwann glauben wir sie. Nicht, weil wir „naiv“ sind, sondern weil unser Gehirn so funktioniert: Wiederholung wird zu Wahrheit.

Und Scanner?
Scanner nehmen nicht nur schnell Wissen auf – sie nehmen oft auch Bewertungen, Zwischentöne und Erwartungen besonders schnell auf. Deshalb sitzen manche Glaubenssätze bei ihnen besonders tief.

Drei Scanner-Glaubenssätze, die immer wieder auftauchen

Glaubenssatz 1: „Ich kann nichts richtig.“

Dieser Satz klingt nach „Fehler“. Nach „Nicht gut genug“. Nach innerem Druck.
Und ja: Er ist nicht scanner-exklusiv – aber Scanner kennen ihn oft in einer speziellen Variante:

„Ich kann das nicht richtig, weil ich mich nicht auf eine Sache festlege.“
„Ich bin überall nur so halb.“
„Ich bin nie Expertin genug.“

Was hier eigentlich dahinter steckt, ist selten Unfähigkeit.
Oft steckt dahinter:

  • ein sehr hoher Qualitätsanspruch

  • ein Vergleich mit „Tauchern“ (Spezialisten)

  • ein altes Bewertungsmuster („Nur wenn es perfekt ist, zählt es“)

Sanfte Entkräftung:
Du kannst sehr wohl „richtig“. Du kannst nur oft anders: vernetzt, kreativ, schnell, querdenkend.
Scanner-Qualität ist häufig Transferkompetenz, nicht nur „ein Thema bis zur Perfektion“.

Mini-Übung:
Statt „Ich kann das nicht richtig“ frag dich:

  • „Was kann ich daran schon gut?“

  • „Was ist mein Anteil, der bereits funktioniert?“

  • „Welcher Standard ist hier wirklich nötig – und welcher ist Perfektionismus?“

Glaubenssatz 2: „Ich kann mich nicht entscheiden.“

Das ist der Klassiker. Und er tut weh, weil die Businesswelt so oft predigt:
Fokus. Eine Nische. Ein Thema. Ein Weg.

Barbara Sher hat genau dazu einen befreienden Gegengedanken geprägt:
Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1000 Träume hast.

Heißt das, du musst nie priorisieren? Nicht ganz.
Aber es heißt: Du musst dich nicht so entscheiden wie ein Taucher.

Scanner brauchen oft keine „Entweder-oder“-Entscheidung, sondern eher:

  • Zeitcontainer (z. B. „Dieses Quartal ist Projekt A“)

  • Projektlogik (z. B. „Ich mache zwei Dinge parallel – aber mit klaren Grenzen“)

  • Erlaubnis für Wechsel (nicht als Scheitern, sondern als System)

Sanfte Entkräftung:
Du bist nicht entscheidungsschwach.
Du hast oft einfach mehr als eine sinnvolle Option – und dein System denkt weiter als die einfache Auswahl.

Mini-Übung (Scanner-Entscheidung):
Statt „Was ist die richtige Entscheidung?“ frag:

  • „Was ist die stimmigste Entscheidung für die nächsten 4 Wochen?“

  • „Was bringt mir jetzt Klarheit und Energie?“

  • „Was darf ich testen, statt es endgültig entscheiden zu müssen?“

Glaubenssatz 3: „Ich bringe nie etwas zu Ende.“

Auch das hören Scanner oft – von außen und irgendwann von innen.
Aber hier ist der wichtigste Perspektivwechsel:

Nicht alles, was du beginnst, ist dafür da, fertig zu werden.
Manches ist dafür da, dich zu nähren, zu lernen, zu inspirieren oder dich weiterzuführen.

Und jetzt kommt das Bild mit Taucher und Segler, weil es so entlastend sein kann.

Taucher vs. Segler (kurz und klar)

  • Taucher: steigt tief ein, bleibt lange in einem Thema, wird Spezialist.

  • Segler: bewegt sich über viele Themen, sammelt Wissen, verbindet, kombiniert, wechselt.

Segler sind nicht „oberflächlich“.
Sie sind oft Generalisten mit Tiefe an mehreren Stellen. Manche Segler tauchen zwischendurch auch richtig tief – aber nicht immer ein Leben lang im selben Feld.

Sanfte Entkräftung:
Du bringst nicht „nie“ etwas zu Ende.
Du bringst Dinge oft anders zu Ende: in Etappen, als Prototyp, als Learnings, als Baustein für etwas Größeres.

Mini-Übung: Definiere „zu Ende“ neu.
Für Scanner funktioniert oft ein „Definition-of-Done“ wie:

  • „Ich habe es so weit gebracht, dass ich es testen kann.“

  • „Ich habe daraus ein Ergebnis / ein Tool / eine Erkenntnis.“

  • „Ich habe den nächsten Schritt sichtbar gemacht.“

Das ist auch ein Abschluss.

Kleine Anleitung: Wie du Glaubenssätze sanft verändern kannst

Du brauchst dafür keine „Härte“. Du brauchst eher Bewusstsein + kleine Schritte.

1) Beobachte dich (ohne dich zu verurteilen)

Wenn der Satz auftaucht, notiere kurz:

  • Was ist passiert?

  • Was habe ich gedacht?

  • Was habe ich gefühlt?

  • Was habe ich dann getan (oder vermieden)?

Schon diese Beobachtung bringt Abstand zwischen dich und den Glaubenssatz.

2) Akzeptiere, dass er mal Sinn gemacht hat

Das ist oft der Schlüssel.
Viele Glaubenssätze wollten dich schützen: vor Kritik, Ausschluss, Fehlern oder Überforderung.

Du musst ihn nicht bekämpfen.
Du darfst ihn als alte Strategie erkennen.

3) Lass los, was dich heute bremst

Loslassen ist nicht „vergessen“.
Loslassen heißt: „Ich muss das nicht mehr als Wahrheit behandeln.“

Ein sehr praktischer Schritt kann tatsächlich sein, auch im Außen aufzuräumen.
Weil Ordnung im Außen oft Ruhe im Innen schafft – besonders bei sensiblen, reizoffenen Systemen.

4) Lege dir neue, realistische Glaubenssätze zu

Wichtig: Nicht „Ich bin die Beste“, sondern „stimmig und glaubwürdig“.

Beispiele:

  • Statt „Ich kann nichts richtig“ → „Ich lerne schnell und werde mit jedem Durchlauf besser.“

  • Statt „Ich kann mich nicht entscheiden“ → „Ich entscheide in Etappen und teste, was passt.“

  • Statt „Ich bringe nie etwas zu Ende“ → „Ich definiere Abschluss so, dass er zu meinem System passt.“

Wenn du Prioritäten brauchst: super.
Scanner profitieren oft von einem System, das Priorisieren erleichtert – ohne die Vielseitigkeit zu ersticken. (Du hast da ja z. B. deine „Klare Kante“ als Rahmen.)


Wenn du merkst: „Das blockiert mich wirklich“

Vielleicht hast du beim Lesen gedacht:
„Das trifft mich.“
„Ich weiß das theoretisch, aber ich komme alleine nicht raus.“
„Ich will meinen Scanner-Weg finden, ohne mich dauernd falsch zu fühlen.“

Dann ist Begleitung sinnvoll – nicht weil du „es nicht kannst“, sondern weil es schneller geht, wenn jemand mit dir sortiert und spiegelt.

Du kannst mir gern schreiben oder ein kostenfreies Orientierungsgespräch buchen.

Dann schauen wir gemeinsam:

  • welche Glaubenssätze dich am stärksten bremsen

  • wie dein Scanner-System wirklich funktioniert

  • und welcher nächste Schritt dich entlastet und voranbringt

 

Aktualisiert am 23.01.2026

Nicole Führing
Nicole Führing | Expertin für HSP & Scanner | Endlich. Selbst. Werden.