#044 – Glaubenssätze und wie sie hochsensible Kinder beeinflussen

Episode Nr. #044

11.07.2023

Glaubenssätze und wie sie hochsensible Kinder beeinflussen

Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Glaubenssätze und wie diese Hochsensible Kinder (HSK) beeinflussen können.

Zuerst möchte ich das Konzept der sogenannten Glaubenssätze erläutern.

Glaubenssätze sind Annahmen, die uns in der Welt orientieren und in den ersten sieben Lebensjahren geformt werden. Oftmals stammen sie von unseren Vorbildern – Eltern, Geschwistern, Lehrern und anderen Bezugspersonen.

Wir alle verfügen über bestimmte Glaubenssätze über uns selbst, die sowohl unsere innere Einstellung zu uns selbst, als auch zu anderen und der Welt beeinflussen.

Wie entstehen sie, wie kann man sie erkennen und wie kann man sie gegebenenfalls auch auflösen?

Bei Glaubenssätzen handelt es sich, wie eingangs erwähnt, um bestimmte Annahmen, die Menschen über sich selbst, andere oder die Welt im Allgemeinen haben. Es handelt sich hierbei um tief sitzende Überzeugungen, die meist sehr generalistisch formuliert sind. Arten von Glaubenssätzen kann man zum Beispiel in positiv oder negativ unterteilen, aber auch eine Unterteilung nach unterschiedlichen Lebensbereichen kann sinnvoll sein.

Diese Glaubenssätze können uns entweder voranbringen oder ausbremsen. Sie können die Sicht auf uns selbst, unsere Fähigkeiten und die Welt beeinflussen. Diese Annahmen sind oft die Stimmen unserer Vorbilder aus der Kindheit; Eltern, Geschwister, Lehrer oder Trainer. Erstaunlich, oder?

Diese Stimmen prägen sich gerade bei hochsensiblen Kindern ein und beeinflussen deren Wahrnehmung der Welt. Einer der häufigsten Glaubenssätze, der mir besonders oft auffiel, lautete: „Ich bin nicht richtig.”

An der Stelle hab ich immer wieder kleine Flashbacks und muss mich an Situationen aus meiner Kindheit erinnern:

Und zwar möchte ich dir dazu eine persönliche Geschichte erzählen. Das war für mich immer in den Pausen, also ab Grundschule, wenn ich mit meiner hochsensiblen, intensiven Wahrnehmung stark auf die Aktionen der anderen Kinder reagiert habe.

Und im Endeffekt hat sie genau diese emotional Reaktion angespornt weiterzumachen und mich noch mehr zu ärgern.

Bei uns hieß das früher hänseln, heute zählt das ganz klar zum Mobbing.

Die Standardsituation: Ich gehe alleine auf den Schulhof und die Jungs aus meiner Klasse laufen mir einfach nur hinterher und sagen gemeine Sachen über mich – wegen meiner Brille, wegen meinen Klamotten, weil ich Sachen nachgetragen habe von meinem Bruder, weil ich herumgelaufen bin wie ein Junge.

Das habe ich natürlich versucht zu rechtfertigen.

Du erinnerst Dich: HSP machen es gerne allen recht und versuchen die Situation zu erklären.

Und in dem Fall war es bei mir, dass ich mich als Mädchen nicht angenommen gefühlt habe eine emotionale Verletzung. Ich konnte mich auch irgendwie nicht richtig wehren gegen die, die mich da gehänselt und geärgert haben.

Und glaub mir, ich habe alles versucht. Weggehen, Verstecken, im Klassenzimmer bleiben (das war aber nicht erlaubt) nicht reagieren, wenn sie etwas sagen usw.

In den meisten Fällen hat das aber nichts gebracht, Also bin ich quasi regelmäßig zum Lehrer gegangen.

In meiner Vorstellung wollte ich die Situation einem Erwachsenen erklären und um Hilfe bitten, damit sie aufhören.

Das kostete mich jedes Mal verdammt viel Mut und Überwindung. Ich wusste ja schon, dass der Lehrer sich nicht nur um mich kümmern kann. Da ich anfangs jede Pause zu ihm gekommen bin, wirkte er für mich schon fast böse. Er müsse sich auch um andere Kinder kümmern und hat auch mir gesagt, dass er jetzt keine Zeit für mich hat.

„Jetzt reiß dich mal zusammen“, „Stell dich nicht so an“. „Das ist gar nicht so schlimm“.

Und was meinst du, was das in mir ausgelöst hat?

Im Endeffekt folgendes. Meine Wahrnehmung ist nicht richtig.

Der Lehrer sagt, das ist nicht so schlimm. Ich soll mich zusammenreißen. Meine Wahrnehmung ist nicht richtig. Ich verstehe Dinge nicht richtig.

Solche Situationen kennen viele Hochsensible. Momente, in denen sie sich nicht wirklich verstanden fühlen, weil ein anderer Mensch nicht dasselbe wahrnimmt.

Für mich war es richtig schwierig und emotional aufwühlend. Das hat mir wirklich wehgetan emotional, weil ich so eine so hohe sensorische und emotionale Hochsensible Persönlichkeit bin.

Und diese Annahmen, dass meine Wahrnehmung dann doch nicht richtig ist, haben sich in meiner Kindheit geformt. Das führte oft zu Unsicherheiten und die begleiteten mich bis ins Erwachsenenalter.

Immer wieder kamen die dann auch in verschiedenen Situationen zum Vorschein. Oftmals hat es mich förmlich ausgebremst.

Vielleicht kennst du das ja von dir auch und hast solche Momente auch erlebt, wo du dich unverstanden gefühlt hast.

Die gute Nachricht ist: Diese Glaubenssätze müssen nicht für immer bei dir bleiben.

Sie können überarbeitet werden. Sobald du sie erkennst, sobald du weißt, welche Glaubenssätze dich im Alltag zurückhalten, kannst du sie umkehren. Dazu möchte ich dir kurz erklären, wie du deine Glaubenssätze überhaupt erstmal identifizieren kannst.

  1. Überleg Dir, welche Bezugspersonen haben dich geprägt haben.
  2. Was haben diese Menschen über folgende Themen geglaubt oder gesagt? Arbeit, Sinn, Beziehung, Freude Zeit, Körper, Liebe & Geld
  3. Was sind typische Aussagen, die Du immer wieder gehört hast? (auch wieder über die Themen Arbeit, Sinn, Beziehung, Freude Zeit, Körper, Liebe & Geld)

Und sobald du das alles aufgeschrieben hast, kannst du Dir Gedanken darüber machen, wie du selbst über diese Themen denkst.

Welche Annahmen davon begleiten dich noch in deinem Leben?

Welche hast Du bereits losgelassen?

Und wenn du da noch ein bisschen tiefer gehen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Coachingkalender „Klare Kante“.

Da gehst Du auf alle diese acht Felder des Lebensrades ein. Das heißt, du schaust dir jedes Feld ganz genau an und stellst fest, was hast du in Bezug auf Geld für Glaubenssätze und was möchtest Du da verändern? Was möchtest du da erreichen? Wir konzentrieren uns quasi auf die Zukunft und entledigen uns der Vergangenheit.

Loslassen und endlich selbst werden.

Wenn Du Dir dabei Unterstützung wünschst, lass uns reden.

Nicole Führing
Nicole Führing | Expertin für HSP & Scanner | Endlich. Selbst. Werden.