

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Warum du dich in keiner HSP-Beschreibung wiederfindest – und trotzdem hochsensibel sein kannst
Vielleicht kennst du diesen Moment:
Du beginnst, dich mit Hochsensibilität zu beschäftigen. Du liest Artikel, hörst Podcasts oder machst einen Test – und plötzlich hast du dieses Gefühl:
Ein Teil von dir denkt: „Ja, das passt total zu mir.“
Und gleichzeitig ist da ein anderer Teil, der sagt: „Irgendwie aber auch nicht.“
Du erkennst dich nicht vollständig wieder.
Nicht in dem Bild von jemandem, der sich ständig zurückzieht.
Nicht in dem Bild von jemandem, der schnell überfordert ist oder am liebsten allein ist.
Im Gegenteil: Du bist gern unter Menschen.
Du magst Austausch, Gespräche, Lebendigkeit.
Du kannst präsent sein, dich zeigen, dich einbringen – vielleicht stehst du sogar manchmal gern im Mittelpunkt.
Und genau deshalb kommt oft dieser Gedanke:
„Dann kann ich ja nicht hochsensibel sein.“
Viele hören genau an diesem Punkt auf, weiter hinzuschauen.
Was stattdessen oft passiert: keine große Erkenntnis – sondern leise Irritationen im Alltag.
Zum Beispiel, wenn du nach einem schönen Treffen nach Hause kommst und plötzlich merkst, wie leer du bist.
Oder wenn du mitten in einem guten Gespräch bist, dich verbunden fühlst – und es innerlich langsam enger wird.
Oder wenn du etwas genießt, dich darauf freust – und danach erst einmal Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten.
Dann taucht diese Frage auf:
„Warum kippt das immer so plötzlich?“
Von außen wirkt das oft unspektakulär.
Aber innerlich ist es viel – oft mehr, als du dir lange eingestehen wolltest.
Viele Menschen haben ein sehr klares Bild von Hochsensibilität:
leise, zurückhaltend, schnell überfordert.
Und ja – das ist eine Form davon.
Aber nicht die einzige.
Hochsensibilität beschreibt nicht in erster Linie, wie du dich nach außen verhältst.
Sondern, wie dein Nervensystem Reize verarbeitet.
Und genau hier entsteht häufig die Verwirrung.
Vielleicht bist du jemand, der gern erlebt.
Der Austausch braucht, um sich inspiriert zu fühlen.
Der Gespräche liebt, Ideen entwickelt, sich verbindet.
Und gleichzeitig nimmst du sehr viel wahr:
Stimmungen, Zwischentöne, unausgesprochene Erwartungen, kleinste Veränderungen im Raum.
Während du mitten im Geschehen bist, fällt dir das oft gar nicht auf.
Erst danach – wenn es ruhig wird.
Dann beginnt dein System, all das zu verarbeiten, was vorher einfach „mitgelaufen“ ist.
Viele denken, sie müssten sich entscheiden:
entweder extrovertiert oder hochsensibel.
Aber vielleicht ist genau das der Denkfehler.
Du kannst Menschen lieben – und trotzdem Rückzug brauchen.
Du kannst präsent sein, lachen, reden – und danach erschöpft sein.
Du kannst Energie aus Begegnung ziehen – und gleichzeitig viel verarbeiten.
Das ist kein Widerspruch.
Es ist einfach eine Kombination, über die viel seltener gesprochen wird.
Wenn dein Verhalten nicht zu dem Bild passt, das du kennst, erkennst du dich oft selbst nicht.
Du liest Beschreibungen und denkst:
„So bin ich nicht.“
Und übersiehst dabei all das, was eigentlich sehr wohl zutrifft.
Nicht, weil du nicht hinschauen willst –
sondern weil die Beschreibung zu eng ist.
So entsteht dieses Gefühl, irgendwo dazwischen zu sein.
Es wird klarer, wenn du aufhörst, nur dein Verhalten zu bewerten –
und anfängst, dein inneres Erleben ernst zu nehmen.
Wenn du nicht mehr nur fragst:
„Wie wirke ich nach außen?“
sondern:
„Was passiert eigentlich in mir?“
Dann verstehst du besser,
warum dich manche Dinge mehr Kraft kosten,
warum du länger brauchst, um wieder bei dir anzukommen,
und warum dein Energielevel manchmal nicht zu dem passt, was du gerade tust.
Und vor allem: dass mit dir nichts falsch ist.
Du brauchst nicht weniger Leben.
Nicht weniger Menschen.
Nicht weniger Austausch.
Aber du brauchst einen bewussteren Umgang mit deiner Energie.
Das bedeutet zum Beispiel:
Nicht nur zu planen, was du tust – sondern auch, was danach kommt.
Früher wahrzunehmen, wann es innerlich enger wird.
Ehrlich hinzuschauen, was dich etwas kostet – auch wenn es sich gut anfühlt.
Und dir zu erlauben, dich nicht in eine feste Schublade einordnen zu müssen.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann bist du damit nicht allein.
In meiner Podcastfolge Nr. 008 gehe ich noch tiefer darauf ein, warum sich Hochsensibilität bei manchen Menschen ganz anders zeigt, als wir es oft erwarten – und wie du einen besseren Umgang damit finden kannst.
Wenn du merkst, dass dich dieses „Hin und Her“ im Alltag Kraft kostet, kann es außerdem hilfreich sein, das für dich persönlich zu sortieren.
In einem Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst und was dir konkret helfen kann, stabiler mit deiner Sensibilität und deinem Bedürfnis nach Verbindung umzugehen.