

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Es gibt Phasen im Leben, da läuft alles – nur du nicht mehr wirklich mit.
Du funktionierst.
Du arbeitest.
Du kümmerst dich um andere.
Du denkst, planst, organisierst.
Und gleichzeitig ist da dieses leise Gefühl:
Ich bin gar nicht richtig bei mir.
Vielleicht merkst du:
dass du Hunger, Durst oder Müdigkeit erst bemerkst, wenn dir schon schwindelig ist
dass du deine Schultern erst spürst, wenn sie wehtun
dass du eigentlich ständig erschöpft bist, aber „noch schnell eben“ weitermachst
oder dass du deinen Körper eher als störend wahrnimmst: „Schon wieder tut irgendwas weh“
In diesem Artikel geht es genau darum:
Was passiert, wenn wir als sensible Menschen vor allem im Kopf leben –
und wie du nach und nach wieder mehr in deinem Körper ankommen kannst, ohne dich mit noch mehr Ansprüchen zu überfordern.
Viele Hochsensible beschreiben ein ähnliches Gefühl:
„Ich denke viel über mich nach, aber ich spüre mich kaum.“
Du kennst vielleicht Situationen wie diese:
Du hast einen vollgepackten Tag und ziehst ihn durch – erst abends merkst du, dass dein Körper völlig fertig ist.
Du sitzt stundenlang am Schreibtisch und nimmst deinen Körper nur als „Hülle“ wahr, in der der Kopf wohnt.
Du merkst erst im Zusammenbruch (Heulkrampf, Kopfschmerz, Kreislauf), dass es zu viel war.
Das hat nichts damit zu tun, dass du „zu doof“ bist, auf dich zu achten.
Es hat viel damit zu tun, wie dein Nervensystem gelernt hat, dich zu schützen.
Für viele von uns war es früher sicherer,
zu funktionieren statt zu fühlen
zu denken statt zu spüren
stark zu sein statt Bedürftigkeit zu zeigen
Wenn das lange so war, ist es logisch, dass der Kopf die Führung übernimmt –
und der Körper zur Nebenrolle wird.
Es gibt ein paar typische Gründe, warum gerade feinfühlige Menschen sich von ihrem Körper abkoppeln:
Als hochsensible Person nimmst du mehr wahr als andere: Geräusche, Stimmungen, Zwischentöne, Erwartungen.
Dein Nervensystem arbeitet permanent.
Wenn über einen längeren Zeitraum zu viel los ist, kann dein Körper auf Selbstschutz umschalten:
„Ich reduziere die Wahrnehmung, damit sie/er überhaupt noch funktioniert.“
Das kann sich so zeigen:
du spürst erst sehr spät, dass du erschöpft bist
du bemerkst körperliche Signale erst, wenn sie Dich „anschreien“
du fühlst dich wie abgeschnitten oder „neblig“
Viele sensible Menschen haben früh gelernt:
„Reiß dich zusammen.“
„Stell dich nicht so an.“
„Hier ist kein Platz für Drama.“
Wenn es früher nicht sicher war, deine Bedürfnisse zu zeigen, hast du vielleicht Strategien entwickelt wie:
brav sein
unauffällig sein
alles im Griff haben
Gefühle und Körperempfindungen wurden eher zur Gefahr als zur Ressource.
Kein Wunder, dass du gelernt hast, mehr im Kopf zu leben.
Unsere Welt feiert:
Durchhalten
Schnelligkeit
Produktivität
Dein Körper tickt anders.
Er mag:
Rhythmus
Wiederholung
Pausen
Sicherheit
Wenn du innerlich glaubst, „ich muss mithalten“, kann das schnell zu einem inneren Konflikt führen:
„Um gut zu sein, muss ich meinen Körper ignorieren.“
Auf Dauer führt das zu dem Gefühl, nicht mehr richtig bei dir selbst einziehen zu können.
Dein Nervensystem kennt grob gesprochen verschiedene Zustände:
Verbundenheit & Ruhe
Aktivität & Fokus
Alarm & Überleben
Viele sensible Menschen hängen irgendwo zwischen dauerhaft aktiv und unterschwellig alarmiert:
immer ein bisschen angespannt
innerlich unruhig, auch wenn sie „chillen“ sollen
sofort auf 180, wenn noch ein Reiz dazukommt
Wenn das lange so ist, reduziert dein System die feine Wahrnehmung, um dich zu schützen.
Du spürst dann eher:
„Ich bin k. o.“
„Mir ist alles zu viel.“
„Ich funktioniere nur noch.“
Die Lösung ist nicht: „Jetzt musst du nur noch mehr auf deinen Körper hören“.
Die Lösung ist: kleine, sichere Schritte, mit denen du deinem Nervensystem zeigst:
„Du bist nicht mehr alleine damit. Ich bin bei dir.“
Du brauchst keine radikale Körper-Transformation.
Dein System reagiert viel besser auf kleine, wiederholte Signale.
Hier ein paar Impulse, die du in deinen Alltag einbauen kannst.
Such dir drei Momente am Tag aus:
morgens nach dem Aufwachen
irgendwann am Tag, wenn du ohnehin kurz innehältst (z. B. vor dem Essen)
abends vor dem Schlafengehen
Lege eine Hand auf deinen Bauch oder deine Brust.
Schließ – wenn es sich gut anfühlt – die Augen.
Und frag dich:
„Was spüre ich gerade in meinem Körper?“
Es müssen keine großen Dinge sein.
„Warm“, „kalt“, „anstrengend“, „neutral“ – alles ist gut.
Es geht nicht um Analyse.
Es geht darum, dass dein Körper wieder merkt:
„Sie/er schaut hin.“
Stell dir eine Ampel in dir vor:
Grün: Ich bin okay, vielleicht müde, aber noch stabil.
Gelb: Ich bin gereizt, empfindlich, erste Beschwerden melden sich.
Rot: Nichts geht mehr – Kopfweh, Kreislauf, Tränen, völlige Erschöpfung.
Frag dich im Alltag immer wieder kurz:
„Auf welcher Farbe bin ich gerade?“
Und leg dir für jede Farbe eine einzige passende Handlung fest:
Grün: „Ich bewege mich heute 10 Minuten an der frischen Luft.“
Gelb: „Ich mache bewusst eine 5-Minuten-Pause ohne Bildschirm.“
Rot: „Ich streiche etwas von meiner Liste oder verschiebe es.“
Damit übst du, deinen Zustand früher wahrzunehmen –
und nicht erst bei Rot zu handeln.
Viele sensible Menschen stürzen von einem Modus in den nächsten:
Arbeit – Haushalt – Social Media – Bett.
Dein Körper braucht Übergänge.
Kleine Ideen:
Nach der Arbeit Kleidung wechseln: „Ich ziehe das Arbeits-Ich aus.“
Für 2 Minuten ans Fenster stellen und in die Ferne schauen.
Hände unter warmes Wasser halten und spüren, wie sich die Wärme ausbreitet.
Solche Mini-Rituale helfen deinem System, von „funktionieren“ in „anwesend sein“ zu wechseln.
Wenn du lange wenig mit deinem Körper in Kontakt warst, kann „Ich sollte mehr Sport machen“ eher Stress als Lösung sein.
Fang kleiner an:
Schultern kreisen, während du Wasser kochst
im Stehen einmal lang strecken und dann Wirbel für Wirbel rund werden
im Sitzen bewusst mit den Füßen auf dem Boden wippen und den Kontakt spüren
Zwei Minuten sind besser als gar nichts.
Und sie sind realistischer, als von dir zu erwarten, jetzt fünfmal die Woche Sport zu machen.
Achte einmal ganz bewusst auf Sätze wie:
„Mein Körper nervt.“
„Schon wieder so empfindlich.“
„Jetzt reiß dich mal zusammen.“
Was wäre, wenn du langsam andere Sätze ausprobierst?
Zum Beispiel:
„Mein Körper versucht, mich zu schützen.“
„Es ist okay, wenn ich Grenzen habe.“
„Ich darf auf meine Signale hören.“
Es mag sich am Anfang ungewohnt anfühlen.
Aber innere Sprache ist wie Klima – sie wirkt langfristig.
Dein Körper spürt, ob du gegen ihn oder mit ihm bist.
Vielleicht merkst du beim Lesen:
„Ich erkenne mich komplett wieder.“
„Ich habe seit Jahren das Gefühl zu funktionieren statt zu leben.“
„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“
Dann ist das kein Zeichen von Schwäche.
Im Gegenteil: Es ist ein Zeichen dafür, dass dein Bewusstsein da ist –
und dass du bereit bist, hinzuschauen.
Gerade als sensible Person kann es sehr entlastend sein, diesen Weg nicht alleine gehen zu müssen.
In meinem kostenfreien Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam:
Wo stehst du gerade – körperlich, emotional, beruflich?
Wie meldet sich dein Körper, wenn es zu viel wird?
Welche kleinen Schritte wären für dich jetzt tragbar und sinnvoll?
Und ob eine weitere Begleitung – im Coaching oder in meiner Ausbildung – für dich passend sein könnte.
Du musst dafür nichts perfekt vorbereitet haben.
Es reicht, wenn du spürst:
„So, wie es ist, möchte ich es nicht lassen – und ich wünsche mir jemanden, der mit mir sortiert.“
Wenn du magst, schau direkt HIER vorbei und hol dir deinen Termin.
Du darfst wieder mehr bei dir einziehen – Stück für Stück, in deinem Tempo.