Eine nachdenkliche Frau sitzt in einem hellen Raum mit geschlossenen Augen, legt eine Hand auf ihre Brust und atmet ruhig, als würde sie in ihren Körper hineinspüren – Symbolbild für körperliche Symptome bei Hochsensibilität.

Müde, verspannt, überreizt? Was dein sensibler Körper dir sagen will

Episode Nr. #172

27.01.2026

Körperliche Symptome bei Hochsensibilität – wenn dein Nervensystem laut wird

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.

 

Du kennst vielleicht dieses Gefühl:
Von außen war es ein ganz normaler Tag.
Du bist zur Arbeit gegangen, hast deine Aufgaben erledigt, vielleicht noch Familie, Termine, Einkäufe.

Und dann sitzt du abends auf dem Sofa – und dein Körper sagt:

  • Kopfweh.
  • Nacken zu.
  • Bauchgrummeln.
  • Herzklopfen.
  • Einfach nur komplett müde.

Und irgendwo kommt der Gedanke:

„Stell dich nicht so an. War doch gar kein besonders harter Tag.“

Vielleicht warst du sogar schon mehrfach bei Ärzt:innen.
Blutwerte: in Ordnung.
Herz: in Ordnung.
„Sie müssen sich mal mehr entspannen.“

Nur: Wie, wenn dein System ständig läuft?

In diesem Beitrag schauen wir uns an,
warum viele hochsensible Menschen so deutlich über den Körper reagieren –
und was du tun kannst, um besser mit deinem Nervensystem zusammenzuarbeiten.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Diagnose.
Wenn du neue, starke oder anhaltende Beschwerden hast, lass das bitte immer ärztlich abklären. Dein Körper hat es verdient, ernst genommen zu werden.

Hochsensibel – was bedeutet das für deinen Körper?

Hochsensibilität heißt vereinfacht:

Dein Nervensystem ist fein eingestellt.
Du nimmst mehr wahr – und du verarbeitest mehr.

Das betrifft:

  • äußere Reize (Licht, Geräusche, Gerüche, Temperatur)
  • innere Reize (Gedanken, Gefühle, Erinnerungen)
  • und die Stimmung im Außen (Atmosphäre, Konflikte, unausgesprochene Dinge)

All das landet nicht einfach kurz im System und ist weg,
sondern wird gründlich verarbeitet, verknüpft, hinterfragt.

Dein Körper ist dabei kein extra System – er ist ein Teil davon.

Wenn du viel wahrnimmst und verarbeitest, bedeutet das:

  • dein Nervensystem ist häufiger in Alarm- oder Anspannungszuständen
  • Stresshormone werden schneller und öfter ausgeschüttet
  • Muskeln spannen an, Atmung verändert sich, Verdauung reagiert

Von außen wirkst du vielleicht ruhig.
Innen läuft Hochbetrieb.

Typische körperliche Symptome bei Hochsensibilität

Nicht jede hochsensible Person erlebt das gleich.
Aber es gibt körperliche Muster, von denen viele berichten – vor allem in stressigen, lauten oder emotional intensiven Phasen.

Schau einfach, was davon mit dir resoniert.

1. Kopf- und Nackenschmerzen

  • Spannungskopfschmerzen nach langen Tagen
  • Nacken und Schultern fühlen sich hart oder „betonartig“ an
  • Kiefer ist verspannt (gerade nach Konflikten oder Reizüberflutung)

Oft ist das eine Mischung aus innerer Anspannung, Grübeln und zu wenig echten Pausen.

2. Magen-Darm-Reaktionen

  • Bauchweh, Übelkeit oder Krämpfe vor belastenden Terminen
  • Durchfall oder Verstopfung in Stressphasen
  • empfindlicher Magen, der auf „zu viel“ – egal ob Essen oder Emotion – schnell reagiert

Der Bauch ist ein sehr sensibler Stressanzeiger.
Dein „Bauchgefühl“ ist hier wortwörtlich.

3. Müdigkeit und Erschöpfung

  • Du kommst nach scheinbar „normalen“ Tagen nach Hause und bist komplett leer
  • Schon der Gedanke an den nächsten Tag macht müde
  • Pausen fühlen sich eher nach Zusammenbruch als nach Erholung an

Dein Körper ist damit beschäftigt, Reize zu verarbeiten und Stress herunterzufahren – oft viel mehr, als du es dir von außen ansehen kannst.

4. Inneres Zittern, Herzklopfen, Unruhe

  • du fühlst dich wie „unter Strom“
  • kleine Auslöser (eine Mail, ein Kommentar, ein Geräusch) triggern Herzrasen
  • du kannst schwer zur Ruhe kommen, selbst wenn du dich hinsetzt

Das ist kein „Du bist hysterisch“,
sondern eine sehr reale Stressreaktion deines Nervensystems.

5. Schlafprobleme

  • du kommst abends schlecht runter, Gedankenkarussell
  • du wachst nachts auf und bist „wachklar“
  • oder du schläfst viel, aber fühlst dich trotzdem nicht erholt

Dein System verarbeitet oft nachts noch das, was tagsüber keinen Raum hatte.

6. Sinnesempfindlichkeit

  • Licht zu hell, Stimmen zu laut, Gerüche zu intensiv
  • bestimmte Stoffe oder Etiketten auf der Haut unerträglich
  • laute Umgebungen (Großraumbüro, Einkaufszentrum) sind wie körperlicher Stress

Für dich ist das nicht „nur ein Geräusch“ –
es ist ein zusätzlicher Reiz, den dein Körper mitverarbeiten muss.

Bin ich krank oder „nur“ überreizt?

Diese Frage ist wichtig und verdient eine klare Antwort.

Grundregel:

Neue, starke oder sich verschlimmernde Symptome gehören immer zum Arzt.
Punkt.

Gerade bei:

  • plötzlichen Schmerzen
  • Atemnot
  • starkem Herzrasen
  • Schwindel
  • Fieber
  • deutlichem Gewichtsverlust

bitte nicht zögern, medizinische Hilfe zu holen.

Und gleichzeitig gilt:

  • Wenn medizinisch nichts gefunden wird, bedeutet das nicht, dass du dir etwas einbildest.
  • Es kann heißen: Dein Körper funktioniert – aber er ist dauerhaft im Stress-Modus.

Hilfreiche Fragen an dich selbst:

  • Wann treten die Symptome auf?
    • nach vollen Tagen?
    • nach viel Social Media / Nachrichten / sozialen Kontakten?
    • nach Konflikten oder innerlich schweren Themen?
  • Was beruhigt dich?
    • Ruhe, Natur, Schlaf?
    • warme Dusche, leise Musik?
    • ein paar Stunden ohne Anforderungen?

Wenn du hier Zusammenhänge erkennst, bist du schon mitten in der „Übersetzung“ deines Körpers.
Er spricht mit dir – manchmal sehr deutlich.

5 Schritte, um mit deinem sensiblen Körper zusammenzuarbeiten

Du kannst dein Nervensystem nicht per Knopfdruck „entsensibilisieren“.
Aber du kannst lernen, mit deinem Körper anders umzugehen.

Hier ein paar Schritte, die sich bewährt haben – sanft, machbar, ohne Perfektionismus.

1. Vom Wegdrücken ins Wahrnehmen

Viele von uns haben gelernt:

„Reiß dich zusammen. Stell dich nicht so an.“

Das führt dazu, dass wir Körpersignale kleinreden oder ignorieren –
bis sie so laut werden, dass nichts anderes mehr geht.

Probier etwas anderes:

  • Nimm dir 1–2 Mal am Tag 60 Sekunden Zeit.
  • Frag dich: „Wie fühlt sich mein Körper gerade an?“
  • Schmerz, Enge, Druck, Wärme, Müdigkeit – alles darf sein.

Du musst nichts sofort ändern.
Erstmal nur: wahrnehmen.

Das ist wie beim Navi:
Ohne Standortbestimmung keine sinnvolle Route.

2. Mikro-Pausen statt Heldentum

Hochsensible neigen dazu, lange durchzuhalten –
für andere, fürs Team, für den Anspruch an sich selbst.

Dein Körper dankt dir, wenn du vorher bremst.

Ideen für Mikro-Pausen:

  • 3 tiefe Atemzüge: bewusst länger ausatmen als einatmen
  • kurz aufstehen, Schultern kreisen, Hände ausschütteln
  • 2 Minuten aus dem Fenster schauen, Handy weg
  • einmal bewusst den Kiefer lockern, Zunge vom Gaumen lösen

Diese kleinen Pausen sind kein Luxus,
sondern Nervensystempflege.

3. Reize reduzieren, wo du kannst

Du musst nicht das ganze Leben umbauen.
Aber dein Körper wird dir dankbar sein, wenn du ein paar Stellschrauben drehst.

Frag dich:

  • Brauche ich wirklich ständig alle Benachrichtigungen auf dem Handy?
  • Muss ich jede Einladung annehmen?
  • Kann ich meinen Arbeitsplatz reizärmer gestalten (Licht, Geräusche, Deko)?

Mögliche Maßnahmen:

  • Noise-Cancelling-Kopfhörer im Büro
  • klare „Offline-Zeiten“
  • weniger parallele Aufgaben, mehr Fokusblöcke
  • Pausenzeiten, in denen du nicht zusätzlich mit Infos beschossen wirst

Je weniger Grundrauschen, desto weniger muss dein Körper kompensieren.

4. Bewegung als Stress-Entladung – ohne Leistungsdruck

Du musst keinen Sport „performen“.
Es geht darum, dass dein Körper Stresshormone abbauen darf.

Was hilfreich sein kann:

  • Spazierengehen (ohne Podcast, einfach in Ruhe)
  • leichtes Yoga oder Dehnen
  • Tanzen zu einem Lieblingslied im Wohnzimmer
  • bewusstes Schütteln von Armen und Beinen (30–60 Sekunden)

Finde etwas, das sich machbar anfühlt.
Klein und regelmäßig ist hilfreicher als das perfekte Sportprogramm alle Jubelmonate.

5. Freundlicher mit dir sprechen

Innere Sätze machen einen Unterschied – auch körperlich.

Statt:

  • „Ich bin so schwach.“
  • „Alle anderen schaffen das doch auch.“
  • „Mein Körper nervt.“

probier mal:

  • „Mein Körper versucht, mich zu schützen.“
  • „Es ist okay, wenn ich mehr Pausen brauche.“
  • „Ich darf auf meine Empfindsamkeit hören.“

Du musst nicht sofort daran glauben.
Aber dein Nervensystem reagiert auf den Ton, in dem du mit dir sprichst.

Du musst das nicht allein sortieren

Wenn du beim Lesen gemerkt hast:

  • „Das bin ich – mein Körper ruft ständig.“
  • „Ich wurde oft als empfindlich oder hypochondrisch abgestempelt.“
  • „Ich wünsche mir jemanden, der versteht, wie sich das anfühlt.“

dann ist das kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Zeichen von Bewusstsein.

Gerade in beruflichen oder sehr vollen Lebensphasen kann es hilfreich sein, das nicht nur mit dir selbst auszumachen.

In meinem kostenfreien Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam:

  • Wo stehst du gerade – körperlich, emotional, im Alltag?
  • Welche Situationen bringen dein Nervensystem immer wieder an die Grenze?
  • Was wären erste, realistische Schritte, um Entlastung reinzubringen – in deinem Tempo?

Und wir prüfen, ob eine weitere Begleitung – im Coaching oder in einer Ausbildung – für dich sinnvoll ist, oder ob es im Moment eher etwas anderes braucht.

Wenn du magst, findest du den Link zum Orientierungsgespräch direkt hier: KLICK.

Dein Körper ist nicht dein Gegner.
Er ist dein sensibler, manchmal sehr lauter Verbündeter.

Vielleicht ist jetzt der Moment, ihm ein bisschen genauer zuzuhören.

Nicole Führing
Nicole Führing | Expertin für HSP & Scanner | Endlich. Selbst. Werden.