

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Hochsensibilität
Es ist nicht so, dass es besonders laut ist. Das ist ja oft das Verwirrende daran. Eigentlich ist alles normal. Zumindest so, wie es für alle anderen auch normal zu sein scheint.
Da ist dieses leise Klappern von Geschirr, irgendwo spricht jemand, nicht mal besonders laut, eher so ein gleichmäßiges Hintergrundrauschen – und vielleicht läuft noch Musik, die du gar nicht bewusst hören willst, die aber trotzdem da ist.
Und am Anfang denkst du noch, es geht. Du bist da, du funktionierst, du beteiligst dich vielleicht sogar an einem Gespräch. Und dann passiert etwas, das man gar nicht so richtig greifen kann. Es ist kein klarer Moment, kein Punkt, an dem du sagen könntest: Jetzt ist es passiert.
Es ist eher so, als würde sich in dir langsam etwas aufbauen – fast unbemerkt – bis du plötzlich merkst, dass dein Kopf voller wird, dein Körper unruhiger, dein Atem ein bisschen flacher.
Fast noch anstrengender als das, was im Außen passiert, ist oft das, was dann in dir passiert. Du schaust dich um und siehst Menschen, die ganz entspannt wirken, die lachen, reden, sich nicht an dem stören, was dich gerade innerlich komplett einnimmt.
Und automatisch vergleichst du dich. Nicht bewusst vielleicht, aber spürbar. Dann kommen diese Sätze:
Was du zu dir sagst
„Ich bin zu empfindlich.”
„Ich halte zu wenig aus.”
„Ich sollte mich mehr zusammenreißen.”
Was wirklich stimmt
Du nimmst mehr wahr.
Dein System verarbeitet mehr.
Das ist kein Fehler.
Und genau in diesem Moment wird es doppelt schwer. Weil du nicht nur mit den Geräuschen zu tun hast, sondern auch mit dir selbst.
Es sind ja selten die extremen Situationen, die dich an deine Grenze bringen. Nicht das Konzert, nicht der Flughafen, nicht das offensichtlich Laute. Es ist dieser ganz normale Alltag.
Eine typische Situation
Du gehst einkaufen, eigentlich nur schnell. Ein paar Dinge besorgen. Nichts Besonderes.
Die Kasse piept. Ein Wagen klappert. Jemand spricht laut ins Telefon. Ein Kind fängt an zu weinen.
Du versuchst noch, dich zu konzentrieren, ruhig zu bleiben, weiterzumachen. Aber innerlich wird es enger. Unruhiger. Schneller.
Irgendwann bist du nicht mehr wirklich da – sondern funktionierst nur noch, mit einem einzigen Ziel: Hier raus.
Nicht weil du nicht willst. Sondern weil du nicht mehr kannst.
Das ist ein Punkt, der oft nicht verstanden wird. Auch nicht von einem selbst. Weil es sich so anfühlt, als müsste man es doch irgendwie „besser machen können”. Mehr aushalten. Ruhiger bleiben.
Was wirklich passiert
Dein Nervensystem reagiert in diesen Momenten nicht auf deine Gedanken. Es reagiert auf das, was es wahrnimmt. Und wenn dein System mehr wahrnimmt als das vieler anderer Menschen, dann bedeutet das auch, dass es mehr verarbeiten muss – nicht irgendwann später, sondern genau in diesem Moment. Diese Verarbeitung passiert nicht bewusst. Sie passiert einfach.
Viele beschreiben diese Momente so, als würden sie „plötzlich” kommen. Als wäre da von jetzt auf gleich alles zu viel. Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man: Es sammelt sich.
Was danach kommt, ist oft etwas, das noch schwerer zu greifen ist. Du bist müde. Nicht unbedingt körperlich. Sondern innerlich. So, als hätte dein System die ganze Zeit auf Hochtouren gearbeitet.
Und dann kommt dieser Gedanke: „Ich habe doch gar nicht so viel gemacht.” Aber genau das stimmt nicht. Du hast sehr viel gemacht. Nur nicht sichtbar.
Was du die ganze Zeit gemacht hast
Es wird nicht plötzlich ruhig. Das ist wichtig zu sagen. Die Welt bleibt, wie sie ist. Geräusche bleiben Geräusche. Aber etwas anderes kann sich verändern: dein Verständnis.
Bisher
„Ich bin zu empfindlich.”
Mit neuem Verständnis
„Ich nehme einfach mehr wahr.”
Das fühlt sich anders an. Nicht sofort leichter. Aber klarer.
Beobachtung für dich – ganz ohne Druck
Du erkennst dich hier wieder?
Wenn du dein Erleben besser einordnen möchtest, kannst du auf meiner Website mit einem Test starten:
→ Zu den Tests auf frausensibel.de
Oder wir schauen gemeinsam, was hinter deiner Reizempfindlichkeit steckt – und was dir im Alltag konkret helfen kann.