

Nicole · Frau Sensibel · 6 min Lesezeit
Du kommst nach Hause, eigentlich ist nichts Schlimmes passiert – kein Streit, kein Notfall. Und trotzdem fühlt sich alles an, als könntest du gerade keinen einzigen Reiz mehr aufnehmen.
Genau darüber geht es in diesem Beitrag: Überstimulation. Also der Punkt, an dem dein Nervensystem mehr verarbeitet, als es gerade kann – und wie du das frühzeitig erkennst, bevor daraus ein kompletter Zusammenbruch wird.
Überstimulation bedeutet, dass dein Nervensystem mehr Reize aufnimmt und verarbeitet, als es in diesem Moment leisten kann. Das können äußere Reize sein – Geräusche, Licht, viele Menschen, Zeitdruck. Es können aber genauso innere Reize sein – Gedanken, Gefühle, Erwartungen, die du an dich selbst stellst.
Zum Verständnis
Stell dir dein Nervensystem wie ein Gefäß vor. Den ganzen Tag über füllt es sich – mit dem Meeting, dem Handygeklingel, dem Gedränge in der Bahn. Bei hochsensiblen Menschen füllt sich dieses Gefäß schneller, weil jeder Reiz tiefer verarbeitet wird, statt nur oberflächlich registriert zu werden.
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Überstimulation ist keine Schwäche, sondern eine normale Reaktion eines Nervensystems, das gerade an seine Kapazitätsgrenze kommt.
Eine typische Situation
Ein ganz normaler Dienstag: morgens ein volles Großraumbüro, mittags ein spontanes Meeting, nachmittags drei Nachrichten, auf die du reagieren musst, abends ein Familienessen. Für sich genommen ist keiner dieser Punkte ein Problem. Zusammen kann das genau der Cocktail sein, der dich abends auf dem Sofa sitzen lässt, unfähig, auch nur eine weitere Entscheidung zu treffen.
Hochsensible Menschen verarbeiten Reize tiefer und gründlicher. Das ist einerseits eine Stärke, weil dadurch auch Nuancen und Zusammenhänge auffallen, die anderen entgehen. Andererseits bedeutet dieselbe Tiefe der Verarbeitung, dass die Kapazitätsgrenze schneller erreicht ist. Das heißt nicht, dass du “zu empfindlich” bist – es heißt, dass dein Nervensystem anders kalibriert ist.
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Statt … sofort weitermachen und die nächste Entscheidung treffen |
Lieber … den Reizpegel senken: Licht dimmen, Raum wechseln, verschieben, was verschiebbar ist |
Übung für den Moment
Wenn du eine kurze Übung brauchst, die dich schnell wieder erdet und nicht viel Zeit kostet: In Folge #197 nehme ich dich durch eine kurze Erdungsübung, die genau für solche Momente gemacht ist.
Feste Erholungsfenster, realistische Tagespläne mit Puffer und die Erlaubnis, rechtzeitig Nein zu sagen, helfen, gar nicht erst so oft an die Belastungsgrenze zu kommen.
Zum Nachspüren
→Welche drei, vier Reize haben sich an deinem letzten anstrengenden Tag summiert?
→An welcher Stelle hättest du früher gegensteuern können?
Wenn du dich hier wiedererkennst und herausfinden möchtest, ob Hochsensibilität für dich ein passender Erklärungsrahmen ist, lass uns das gerne in einem kostenfreien Gespräch einordnen.