

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Heute möchte ich dir etwas aus der Sicht einer extrovertierten, hochsensiblen Persönlichkeit erzählen.
Die Abkürzung dafür ist HSE: hochsensible Extrovertierte.
Ich schreibe diesen Beitrag bewusst persönlich. Weil ich selbst dazu gehöre. Und weil dieser Teil der Hochsensibilität im Vergleich zu den introvertierten Ausprägungen oft weniger sichtbar ist – und sich viele HSE lange fragen:
„Warum bin ich so widersprüchlich?“
„Warum liebe ich Menschen – und brauche danach trotzdem Rückzug?“
„Warum kann ich laut sein und gleichzeitig so fein reagieren?“
Wenn du dich irgendwo zwischen „Ich bin gern unter Menschen“ und „Bitte lasst mich alle in Ruhe“ wiederfindest: Dann lies weiter. Vielleicht sortiert sich heute etwas in dir.
Hochsensibilität bedeutet, dass dein Nervensystem Reize intensiver verarbeitet.
Nicht nur „Lärm“ oder „Licht“, sondern auch:
Stimmungen und Zwischentöne
unausgesprochene Erwartungen
Dynamiken in Gruppen
Ungerechtigkeit, Unauthentizität, Spannungen
Viele Hochsensible sind eher introvertiert. Sie bleiben lieber „unter dem Radar“, sind als Kinder oft still, vorsichtig und schnell überfordert. Sie suchen Ruhe, Struktur, Rückzug.
HSE sind auch hochsensibel – aber ihr extrovertierter Anteil ist deutlich stärker spürbar.
Das kann sich so zeigen:
soziale Interaktion ist nicht nur „okay“, sondern oft richtig wichtig
Austausch kann Energie geben – wenn er echt ist
größere Gruppen sind manchmal sogar inspirierend
gleichzeitig braucht das System Rückzug, um zu verarbeiten
Viele HSE sind deshalb im Kern ambivert: Sie schwanken zwischen introvertiert und extrovertiert – je nach Tagesform, Kontext, Belastung, Reizpegel und emotionaler Sicherheit.
Und genau dieses „Hin und Her“ ist oft das, was verwirrt.

Vielleicht kennst du dich in mehreren Punkten wieder:
Soziale Energie ist für dich wichtig. Austausch inspiriert dich. Du magst Begegnung.
Aber nur, wenn du nicht performen musst.
Wenn du dich verstellen musst, wird selbst ein nettes Treffen anstrengend.
Viele HSE sind kommunikativ. Sie denken laut. Sie erzählen gern.
Und sie können gleichzeitig unglaublich gut zuhören – weil echtes Interesse da ist.
Small Talk klappt oft, aber meistens nicht als Endstation. Eher als Türöffner für Tiefe.
Viele HSE haben eine höhere Toleranz für Sichtbarkeit als introvertierte HSP.
Vorträge, Gruppen, Bühne, Moderation: Das kann sogar richtig passen.
Aber: Es kostet trotzdem Verarbeitung. Nur anders als bei introvertierten HSP.
Menschenmengen, Chaos, Lautstärke gehen manchmal besser als gedacht.
Und dann kommt plötzlich ein Punkt, an dem dein System sagt: „Stopp. Jetzt reicht’s.“
Das ist kein Widerspruch. Das ist ein Nervensystem mit feiner Grenze.
HSE haben oft eine besondere Mischung aus:
Du bist herzlich, nahbar, lebendig.
Und du kannst sehr klar werden – besonders, wenn etwas unstimmig oder unfair ist.
Du spürst Dinge schnell. Und du sagst sie manchmal auch schnell.
Das kann unglaublich hilfreich sein – und manchmal auch ein Fettnäpfchen, wenn dein Gegenüber nicht so direkt ist.
Viele HSE sind zusätzlich Scanner oder sehr vielseitig.
Sie denken quer, verbinden Themen, sehen Muster, bringen neue Perspektiven.
Wenn du begeistert bist, steckst du andere an.
Du kannst Räume verändern. Menschen ermutigen. Ideen in Bewegung bringen.
Hier wird es oft ernst. Nicht, weil mit dir etwas falsch ist.
Sondern weil du sehr viel „gleichzeitig“ bist.
Viele HSE erleben: Menschen öffnen sich schnell. Vertrauen dir. Erzählen viel.
Das kann sich nach Verbindung anfühlen.
Aber nicht jede Offenheit ist Beziehung. Manchmal ist es nur Entladung.
Das ist ein wichtiger Lernpunkt:
Du darfst unterscheiden zwischen „jemand öffnet sich“ und „wir sind wirklich verbunden“.
Weil du offen bist, interessiert, empathisch, kommunikativ.
Manche Menschen merken das – und nutzen es unbewusst oder bewusst.
Wenn du danach oft leer bist, ist das kein Zufall. Dann braucht es klare Grenzen.
Viele HSE kennen diesen Moment auf Events:
Es ist schön. Es ist inspirierend. Und gleichzeitig kippt es.
Ein sehr praktischer Satz, der oft stimmt:
Wenn der Gedanke auftaucht „eigentlich reicht’s“, ist das der Moment zu gehen.
Nicht aus Angst. Sondern aus Selbstführung.

HSE denken oft im Sprechen. Ideen kommen in Wellen. Querverbindungen entstehen live.
Für andere klingt das manchmal wie Durcheinander.
Hier hilft es, dein Umfeld zu informieren:
„Ich denke laut. Lass mich kurz sortieren, dann fasse ich zusammen.“
Viele HSE reagieren deutlich stärker, wenn eines davon fehlt:
Schlaf
Nahrung (Hunger ist ein riesiger Trigger)
Ruhephasen
körperliche Stabilität (Schmerzen, Hitze, Übermüdung)
Wenn diese Basics nicht stimmen, kippt das System schneller in Gereiztheit oder Überreaktion.
Das ist keine Charakterschwäche. Es ist Regulation.
Hier ein paar alltagstaugliche Leitplanken:
Nicht nur „Termin“, sondern auch „Verarbeitung“.
Wenn du weißt, dass ein Abend dich inspiriert, plane danach bewusst Luft ein.
Du darfst spontan sein. Und du darfst dir trotzdem einen Sekundenraum schaffen.
Manchmal reicht ein inneres: „Stopp. Einmal atmen.“
Du musst dich nicht ständig erklären, aber du darfst dich verständlich machen:
„Ich bin gern unter Menschen, brauche danach aber Rückzug.“
„Ich rede viel, weil ich denke. Das ist kein Überrollen.“
Dein System lügt nicht. Es meldet nur oft früher als dein Kopf.
Wenn du lernst, diese Signale ernst zu nehmen, wirst du stabiler – nicht kleiner.
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt:
„Ja. Das bin ich.“
„Endlich ergibt das Hin und Her Sinn.“
„Ich brauche dafür einen besseren Umgang – nicht mehr Disziplin.“
Dann gilt: Du musst das nicht allein sortieren.
Wenn du möchtest, kannst du dir ein kostenfreies Orientierungsgespräch buchen.
Wir schauen gemeinsam:
wo du gerade stehst
was dich im Alltag am meisten überreizt
und welche 1–2 nächsten Schritte dir wirklich Stabilität bringen
Vertraulich. Ohne Druck. In deinem Tempo.
Wenn du dich als HSE (oder als Mischung aus hochsensibel, extrovertiert, vielseitig) wiedererkennst und dir wünschst, das nicht nur zu verstehen, sondern auch im Alltag besser zu halten, dann lass uns in Ruhe sprechen.
Ja, Ich möchte Klarheit für mich – Gespräch buchen
Aktualisiert am 23.01.2026