In 5 Schritten zur Entspannung – speziell für Hochsensible

Episode Nr. #019

17.01.2023

Wie Du in 5 einfachen Schritten zur absoluten Entspannung gelangst

Hochsensibilität

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.

Nicole · Frau Sensibel · 8 Min. Lesezeit · zuletzt aktualisiert am 16.07.2026

Mit diesem Beitrag möchte ich dir eine ganz besondere Übung zur Entspannung näherbringen, die für mich ein absoluter Gamechanger war.

Du kennst sicher auch diese Sprüche wie „Sei doch nicht so empfindlich“ und „Sieh das doch alles nicht so eng.“ Ich selbst war lange auf der Suche nach einer Übung, die mich das Ganze eben nicht mehr „so eng“ sehen lässt und mir endlich mal die absolute Entspannung von meinem Alltag als hochsensibler Scanner erlaubt.

Ich bin dann auf Les Fehmi gestoßen, einen Neurowissenschaftler, der die Open-Focus-Methode entwickelt hat. Sie basiert auf Biofeedback. Durch das Messen von Gehirnströmen hat er herausgefunden, wie man schnell und effektiv entspannen kann. Seine Methode ist besonders gehirngerecht und frei von jeglicher Weltanschauung.

Narrow Focus und Open Focus

Fehmi hat festgestellt, dass in unserer westlichen Kultur fast ausschließlich eine Form der Wahrnehmung gefördert wird, die er „Narrow Focus“ (verengter Fokus) genannt hat. Wir sind auf den engen Blickwinkel geschult, weil wir oft extrem auf eine Sache konzentriert sind.

Unser Gehirn ist aber nicht dafür geschaffen, sich ständig auf eine Sache zu konzentrieren. Diese Fähigkeit ist eher für Notfallsituationen gedacht, in denen wir schnell handeln müssen, zum Beispiel um zu überleben. Aber in der Schule und in vielen anderen Bereichen werden wir dazu angehalten, diese Einstellung beizubehalten. Das kann auf Dauer sehr anstrengend und sogar überflüssig sein.

Der normale Zustand in unserem Alltag sollte ein weiter Blickwinkel sein, bei dem wir uns nicht nur auf eine Sache fokussieren, sondern eine Wahrnehmung haben, die das gesamte Spektrum um uns herum erfasst. Und genau das ist für hochsensible Persönlichkeiten eine gute Übung, die eigene Wahrnehmung noch besser zu schulen. Denn in diesem Modus bekommt unser Gehirn die Pause und Ruhe, die es braucht, um sich zu regenerieren.

Du hast vermutlich selbst auch schon Erfahrungen mit diesem Modus gemacht, zum Beispiel im Urlaub, wenn du am Strand spazieren gehst und plötzlich mal so richtig abschalten kannst.

Das Löwenrudel-Bild

Fehmi verwendet zur Erklärung das Beispiel eines Löwenrudels bei der Mittagsruhe. Die Tiere liegen wach, aber entspannt im Schatten und nehmen alles um sich herum mühelos wahr. Dann kommt eine Herde Gazellen vorbei, und die Löwen bleiben zunächst in ihrem Ruhemodus, weil sie bereits gesichtet wurden und keine Chance haben, eine der Gazellen zu fangen.

Plötzlich bemerken die Löwen, dass eine der Gazellen verletzt ist. Ihre Muskeln spannen sich an, ihr Blick fokussiert sich auf dieses eine Tier, und sie jagen die Gazelle. Nach der erfolgreichen Jagd wechseln sie wieder in den „Open Focus“ und erholen sich.

Genauso sollten wir Menschen lernen, verschiedene Arten der Aufmerksamkeit zu praktizieren. Les Fehmi hat viele Experimente durchgeführt, um herauszufinden, wie man das Gehirn in den Alpha-Zustand bringen kann, also den Zustand, in dem es wach und optimal entspannt ist.

Tatsächlich ist das so ein Standardzustand bei Hochsensiblen, die wirklich entspannt sind: Sie haben viel mehr Weite im Blick und nehmen viel mehr wahr. Vielleicht ist dir das auch schon mal aufgefallen als hochsensible Persönlichkeit, dass du beim Fahren etwas am Straßenrand erblickt hast, es deinem Wegbegleiter erzählst, und der es einfach gar nicht wahrgenommen hat.

Auch bei Fehmi ist die Methode eher zufällig entstanden. Er hatte fast aufgegeben, entdeckte dann aber eine einfache Möglichkeit, diesen Zustand zu erreichen: indem er sich auf den Raum zwischen sich und einem Gegenstand in der Außenwelt konzentrierte. Da dieser Raum dazwischen einfach nichts ist, bedeutet das, sich auf nichts zu konzentrieren. Dadurch bekommt das Gehirn eine Pause, und unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verändern sich.

Die Open-Focus-Übung

Deswegen möchte ich dir heute diese einfache Übung zum Open Focus näherbringen. Sie hilft dir, deinen Blickwinkel zu erweitern oder wieder zu erlernen.

Übung: Open Focus

1.  Setz dich bequem hin und schaue auf eine gegenüberliegende Wand.

2.  Lenke deine Aufmerksamkeit auf den Raum zwischen dir und der Wand, also auf das Nichts.

3.  Sobald dir das gelingt, fügst du den Bereich rechts von dir hinzu: den Raum zwischen deiner rechten Schulter und der nächstgelegenen Wand.

4.  Dann fügst du den Bereich links von dir hinzu: den Raum zwischen deiner linken Schulter und der nächstliegenden Wand. Wenn eine Wand weiter weg ist, brauchst du dafür vielleicht etwas länger.

5.  Zuletzt fügst du den Bereich hinter dir hinzu: den Raum zwischen deinem Rücken und der Wand hinter dir. Du schaust weiterhin nach vorne, nimmst aber den ganzen Raum um dich herum wahr.

Diesen Zustand hältst du am Anfang wahrscheinlich noch nicht so lange, du brauchst ja auch erst mal ein bisschen, um diesen Raum wahrzunehmen. Aber versuche es mindestens fünf Minuten, und später dann auch zehn Minuten.

Wenn du das einige Tage, vielleicht ein- bis zweimal täglich geübt hast, kannst du versuchen, diesen offenen Blickwinkel auch auf Alltagssituationen zu übertragen:

→ am Rechner: den Abstand zwischen dir und dem Bildschirm

→ beim Lesen: den Raum zwischen deinem Kopf und dem Buch

→ beim Kochen: den Abstand zwischen dem Topf und dir selbst

Da finden sich unzählige Möglichkeiten. Wenn du diesen offenen Blickwinkel auf so viele Alltagsaktivitäten wie möglich anwendest, kannst du dich beinahe immer und überall entspannen und regelmäßig regenerieren. Probiere das einfach aus und beobachte, wie sich deine Entspannung und deine Leistungsfähigkeit verbessern.

Schreib mir gerne deine Erfahrungen dazu an meine E-Mail.

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Nicole Führing
Nicole Führing | Expertin für HSP & Scanner | Endlich. Selbst. Werden.
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