Podcast · Folge 189

Wenn Gefühle dich überrollen: Warum Hochsensible emotional schneller voll sind

Warum Hochsensible emotional schneller überfordert sind, woran du es erkennst und wie du wieder mehr Ruhe in dein Nervensystem bringst. Mit alltagstauglichen Übungen und konkreten Beispielen.

Nachdenkliche Frau sitzt abends mit einem Kissen auf dem Sofa und blickt ruhig aus dem Fenster – Sinnbild für emotionale Überforderung und Hochsensibilität.

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Du wolltest nur kurz antworten. Oder nur schnell etwas erledigen. Und plötzlich merkst du, dass in dir etwas hochsteigt. Der Hals wird eng. Der Bauch zieht sich zusammen. Die Gedanken springen los. Und noch bevor du wirklich sortieren kannst, was gerade passiert, bist du schon mittendrin.

Traurig. Gereizt. Wütend. Berührt. Überfordert. Manchmal alles zusammen. Und dann kommt dieser alte Gedanke:

Warum bin ich denn schon wieder so?

Wenn Gefühle zu viel Raum einnehmen

Emotionale Überforderung fühlt sich oft so an, als würde innen alles gleichzeitig sprechen.

Für hochsensible Menschen kann genau das sehr anstrengend sein. Nicht, weil sie sich anstellen. Sondern weil sie oft mehr wahrnehmen, länger nachspüren und feiner auf Stimmungen reagieren. Ein Gespräch ist dann nicht nur ein Gespräch. Es bleibt im Körper. Es läuft nach. Es verbindet sich mit Erinnerungen, Gedanken und alten Mustern.

Und irgendwann ist nicht mehr klar: Was fühle ich gerade wirklich? Was gehört zu mir? Was habe ich von außen aufgenommen?

Woran du emotionale Überforderung erkennst

Oft merkst du es nicht zuerst im Kopf. Der Kopf findet immer Erklärungen. Der sagt: „Ach komm, ist doch nicht so schlimm.” Oder: „Reiß dich zusammen.” Dein Körper ist da oft ehrlicher.

  • ✓ Du bist schneller gereizt als sonst
  • ✓ Du könntest wegen Kleinigkeiten weinen
  • ✓ Du fühlst dich nach Gesprächen leer – obwohl sie nett waren
  • ✓ Du willst dich zurückziehen, bekommst aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen
  • ✓ Du zerdenkst alles – und es wird innerlich nur voller

Der Mittwochabend auf dem Sofa

Warum du Gefühle nicht wegdrücken musst

Viele hochsensible Menschen haben gelernt, ihre Reaktionen zu kontrollieren. Nicht weinen. Nicht übertreiben. Nicht so empfindlich sein. Nicht alles persönlich nehmen. Das Problem daran: Gefühle verschwinden nicht, nur weil du sie leiser stellst.

Sie suchen sich einen anderen Weg. Über Spannung im Körper. Über Erschöpfung. Über Schlafprobleme. Über Wut, die an ganz anderer Stelle rauskommt. Über Rückzug, obwohl du Nähe brauchst. Du musst Gefühle nicht ausdiskutieren, sobald sie auftauchen. Aber sie brauchen einen Platz. Nicht unbedingt auf der Bühne. Manchmal reicht ein Stuhl am Rand.

Was dir helfen kann

Der erste Schritt ist oft sehr schlicht: Benenne, was gerade da ist. Nicht: „Ich bin schlimm.” Sondern: „Ich bin gerade traurig.” Nicht: „Ich übertreibe.” Sondern: „Mein System ist gerade voll.” Nicht: „Ich darf so nicht reagieren.” Sondern: „Da ist gerade viel in mir los.”

Sobald du ein Gefühl benennst, bist du nicht mehr komplett darin verschwunden. Du bekommst einen kleinen Abstand. Nicht kalt. Nicht abgetrennt. Nur einen Hauch mehr Raum.

Der zweite Schritt ist der Körper. Setz beide Füße auf den Boden. Spür den Kontakt. Nimm einen Schluck Wasser. Leg eine Hand auf den Brustkorb oder auf den Bauch. Atme nicht besonders tief, sondern erst mal nur bewusst.


Was du dir merken darfst

Wenn deine Gefühle zu laut werden, bist du nicht falsch. Du bist nicht unreif. Du bist nicht zu kompliziert. Du bist nicht weniger belastbar als andere. Du hast ein System, das viel wahrnimmt, viel verbindet, viel nachspürt. Das braucht nicht mehr Druck. Es braucht einen besseren Umgang.

Und dieser Umgang beginnt oft nicht mit einer großen Veränderung, sondern mit einem ehrlichen Satz:

Ich nehme gerade mehr wahr, als ich verarbeiten kann.

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