

Nicole · Frau Sensibel · 8 min Lesezeit
Zuletzt aktualisiert am 15.07.2026
Bin ich hochsensibel? Diese Frage stellen sich viele Menschen, die spüren, dass sie die Welt intensiver erleben als andere. In dieser Folge erzähle ich dir aus meinem eigenen Leben, woran du Hochsensibilität im Alltag erkennst, und du bekommst die vier Merkmale an die Hand, mit denen du dich selbst besser einordnen kannst.
Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, gekennzeichnet durch eine intensivere Wahrnehmung von Reizen. Das gilt für unangenehme Reize wie Lärm oder Schmerz genauso wie für schöne, etwa Musik oder gutes Essen. Hochsensibilität kann also schnelle Reizüberflutung bedeuten und zugleich viel Empathie und ein genussvolles Erleben. Eine Störung oder Krankheit ist sie nicht. Es geht um eine höhere Ausprägung der Empfindsamkeit gegenüber inneren und äußeren Reizen.
Aktuellen Forschungen zufolge sind etwa 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel, also beinahe jeder fünfte. Damit bist du in großer Gesellschaft, auch wenn es sich oft anders anfühlt.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es nicht immer leicht ist, so viel zu fühlen. Lange fiel es mir schwer, meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, und ich habe mich oft missverstanden gefühlt. Andere konnten meine Gedankensprünge nicht nachvollziehen, und ich hörte Sätze wie: Sei doch nicht so empfindlich. Oder: Stell dich nicht so an.
Als Kind habe ich Frühstückseier geliebt, das Weiße hart, das Gelbe weich. Bis ich verstand, dass aus einem Ei ein Küken werden kann. Von da an bekam ich das Gelbe nicht mehr herunter. Mir wurde schlecht und traurig, weil ich fühlte, dass da ein Leben war. Meine Eltern verstanden nur Bahnhof: Jetzt iss doch dein Ei, das mochtest du sonst so gern.
Ähnlich ging es mir mit einem kratzenden Etikett im Nacken. Schon wenn ich heute nur davon schreibe, greife ich mir unwillkürlich in den Nacken und spüre es wieder. Rückblickend ist für mich beides ganz klar ein Zeichen von Hochsensibilität.
Leichter wurde es erst, als ich der Hochsensibilität auf die Spur kam und anerkannte, womit ich es zu tun habe. Meinen Zugang fand ich über Elaine Aron und ihre Bücher. Ein Satz von ihr hat mich damals sehr bestärkt.
Hochsensibilität ist weder eine Störung noch ein Grund zur Prahlerei. Sie ist ein Vermögenswert, den wir schützen und nutzen dürfen.
Seitdem weiß ich: Ich bin okay, so wie ich bin. Ich bin nicht zu viel. Ich verarbeite Informationen einfach anders.
Elaine Aron hat vier Merkmale beschrieben, an denen sich Hochsensibilität gut erkennen lässt. Vielleicht findest du dich in dem einen oder anderen wieder.
Bei mir zeigt sich vor allem die Übererregbarkeit. Nach einem vollen Tag mit vielen Terminen kann ich mich nicht einfach hinlegen und schlafen. In meinem Kopf kreisen tausend Gedanken. Erst wenn ich bei einer Tasse Tee alles sacken lasse, werde ich müde und komme zur Ruhe.
Geh die vier Merkmale in Ruhe durch und denk an konkrete Momente aus deinem Alltag. Wo hast du dich wiedererkannt? Wenn du an mehreren Stellen genickt hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du hochsensibel bist. Wenn du es genauer wissen möchtest, hilft dir mein kostenloser Test weiter.
Beinahe jeder fünfte Mensch ist hochsensibel. Es ist keine Prahlerei und kein Makel, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal mit vielen Ausprägungen, denn jeder hochsensible Mensch ist wieder anders. Zum Erkennen helfen dir die vier Merkmale: tiefe Informationsverarbeitung, Übererregbarkeit, emotionale Intensität und sensorische Empfindsamkeit. Wenn du magst, kannst du diesen Beitrag mit jemandem teilen, der dir dabei in den Sinn kommt.
Als Buchtipp lege ich dir Elaine Arons „Sind Sie hochsensibel?” ans Herz. Es hat mir sehr geholfen, mich selbst besser zu verstehen.
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