

Episode Nr. #003
15.11.2022
Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Scanner. Auf der Übersichtsseite zu Scanner findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als vielseitiger Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Du startest begeistert neue Projekte, meldest dich für Kurse an, interessierst dich gleichzeitig für Fotografie, Aromatherapie, Onlinebusiness, Basteln, Hundetraining und noch drei andere Themen. Und dann kommen Sätze wie:
„Du bringst ja nie was zu Ende.“
„Entscheid dich doch mal für eine Sache!“
Autsch.
Vielleicht hast du dich irgendwann selbst gefragt:
„Was stimmt mit mir nicht? Warum kann ich mich nicht einfach festlegen – so wie alle anderen?“
In diesem Beitrag möchte ich dir eine andere Sicht anbieten.
Es könnte nämlich sein, dass du keine Chaotin, kein Fähnchen im Wind und auch nicht „undiszipliniert“ bist,
sondern: eine Scanner-Persönlichkeit.
Und wenn das so ist, ist deine Vielseitigkeit keine Macke –
sondern eine Begabung, die lernen darf, in gute Bahnen zu fließen.
Der Begriff „Scanner“ wurde von der Autorin Barbara Sher geprägt. Gemeint sind Menschen, die nicht ein großes Lebensthema haben, sondern viele.
Scanner:
sind chronisch neugierig
lieben es, Neues zu entdecken, zu verstehen, auszuprobieren
tauchen in Themen ein, oft sehr intensiv – und springen dann zum nächsten
haben selten das Gefühl: „Jetzt ist alles fertig, ich bleibe für immer hier“
Andere Begriffe dafür sind zum Beispiel:
Multitalent
Vielbegabte
Tausendsassa
Es gibt keine offizielle „Checkliste“, die du abhaken musst, um „Scanner“ zu sein.
Aber vielleicht erkennst du dich in dieser kleinen Alltagsszene wieder.

Stell dir vor, du willst eigentlich „nur kurz“ etwas für deine Arbeit oder dein Projekt recherchieren.
Du öffnest den Browser – und da sind:
deine Online-Kurse,
die Website mit dem spannenden Artikel,
ein offener Tab für eine Interview-Anfrage,
eine Mail, die du noch beantworten wolltest.
Du klickst in den Kurs, machst schnell ein paar Lektionen.
Dann poppt die Erinnerung an das Interview auf – also kurz rüberschauen.
In dem Moment meldet dein Laptop: Akku gleich leer.
Also aufstehen, Ladekabel suchen.
Auf dem Weg siehst du deine Bastelecke – da liegen noch wunderschöne angefangene Projekte. Nur kurz drüber nachdenken, ob du da gleich mal weitermachst…
In der Küche wartet mahnend die leine für die Hunderunde und auf dem Küchentisch liegt ein Brotbackbuch, natürlich aufgeschlagen bei einem Rezept, das du „schon lange mal ausprobieren“ wolltest.
Also: schnell noch Teig ansetzen vor der Gassi-Runde…
Und so weiter.
Eine Idee jagt die nächste.
Nicht, weil du wirr bist,
sondern weil dein Gehirn auf „scannen“ programmiert ist: wahrnehmen, verknüpfen, anknüpfen, vertiefen.
Wenn du dich darin ein bisschen ertappt fühlst:
Herzlich willkommen im Club der Scanner-Persönlichkeiten.
Auch wenn jeder Mensch einzigartig ist, tauchen bei Scannern ein paar Muster immer wieder auf.
Du hörst von einem neuen Thema – und dein System geht direkt auf Empfang:
„Was ist das?“
„Wie funktioniert das?“
„Wo kann ich mehr darüber lesen?“
Du recherchierst, meldest dich vielleicht für einen Kurs an, schaust Videos, hörst Podcasts – nicht, weil du musst, sondern weil es dich zieht.
Wenn dich etwas interessiert, bist du „on fire“.
Du tauchst ein, verknüpfst, probierst aus, erzählst anderen davon.
Und ja: Es sind oft sehr unterschiedliche Themen, die in deinem Leben auftauchen – nicht selten völlig unabhängig voneinander.
Heute Branding, morgen Kräuterkunde, nächste Woche Keramik, dann ein Coaching-Tool…
Das kann dich selbst manchmal verwirren – ist aber ein Hinweis auf deine Vielbegabung.
Scanner sind selten Menschen, die nur in einem Fachgebiet bleiben.
Sie sammeln Bausteine aus ganz verschiedenen Bereichen – und genau dadurch entsteht etwas Besonderes:
Du kannst Verbindungen sehen, auf die andere gar nicht kommen.
Du kombinierst Dinge auf neue Art.
Du findest kreative Lösungen, weil du nicht in einer Denkschublade hängst.
Das macht Scanner zu großartigen Ideenentwickler:innen, Brückenbauer:innen und unkonventionellen Problemlösern.
Viele Scanner sind gleichzeitig sehr feinfühlig:
Sie spüren Stimmungen im Raum
können sich schnell in andere hineinversetzen
haben ein gutes Gespür dafür, was „zwischen den Zeilen“ passiert
Ihre Intuition ist oft stark – sie wissen manchmal einfach, was als Nächstes dran ist, ohne es logisch begründen zu können.
So schön das alles klingt: Scanner-Sein hat auch seine Herausforderungen.
Von außen wirkt die Vielfalt oft wie Unbeständigkeit:
Projekte werden begonnen und liegen gelassen
Hobbys kommen und gehen
berufliche Wege sind nicht geradlinig
Andere sehen dann nur: „Du springst herum.“
Was sie nicht sehen: Du nimmst aus jedem Thema etwas mit – ein Puzzleteil, das dein Gesamtbild reicher macht.
Trotzdem bleiben Sätze hängen wie:
„Entscheid dich doch mal.“
„Bleib doch bei einer Sache.“
„So wirst du nie erfolgreich.“
Und irgendwann glaubst du sie vielleicht selbst.
Weil dir vieles relativ leicht fällt – lernen, verknüpfen, anfangen –
denkst du schnell:
„Naja, das kann doch jede:r.“
Du siehst nicht, wie besonders dein Tempo, dein Zugang und dein Interesse sind.
Du gehst automatisch davon aus, dass andere genauso schnell lernen, genauso offen sind, genauso breit interessiert.
Hör dazu auch die Folge #004: Weil uns vieles leicht fällt, fällt es uns oft schwer.
Dadurch passiert etwas Gemeines:
du erkennst deine Begabungen nicht als Begabungen
dein Selbstwert bleibt kleiner, als er sein dürfte
du machst dich innerlich klein: „So besonders ist das ja nicht.“
„Nur eine Sache“ – fühlt sich für viele Scanner nach innerem Gefängnis an.
Gedanke:
„Warum soll ich nur das machen, wenn da draußen noch so viel mehr auf mich wartet?“
Dieses innere Nein gegen Festlegung wird oft mit „Unverbindlichkeit“ verwechselt.
Tatsächlich steckt dahinter:
Angst, sich selbst zu beschneiden
Angst, Chancen zu verpassen
das echte Bedürfnis, viele Facetten von sich zu leben
Die gute Nachricht:
Du musst dich nicht „heilen“ oder komplett verändern.
Du darfst lernen, mit deiner Scanner-Natur zu gehen, statt ständig gegen sie anzukämpfen.
Hier ein paar Impulse aus meiner eigenen Reise und aus meiner Arbeit mit sensiblen Scanner-Persönlichkeiten:
Bevor du irgendwas optimierst, darfst du erst einmal anerkennen, wer du bist.
Nimm dir ein Blatt Papier oder dein Journal und schreib dir auf:
Welche Ausbildungen, Kurse, Weiterbildungen, Workshops du schon gemacht hast
Welche Projekte du begonnen hast – und was du daraus mitgenommen hast (auch, wenn du sie nicht „fertig“ gemacht hast)
Welche Fähigkeiten du dir im Laufe der Zeit angeeignet hast
Es geht nicht um einen perfekten Lebenslauf –
sondern darum, sichtbar zu machen, was du alles schon in dein Leben geholt hast.
Dann stell dir Fragen wie:
„Was fällt mir leicht, wofür andere mich bewundern?“
„Was mache ich mit einer Selbstverständlichkeit, die gar nicht selbstverständlich ist?“
Und ja: Du darfst darauf stolz sein.
Nur weil es dir leicht fällt, ist es nicht weniger wert.
Das ist für viele Scanner einer der größten Lernschritte.
Ich weiß – allein das Wort „Struktur“ kann bei Scannern Augenrollen auslösen.
„Routinen sind der Tod des Scanners“, heißt es oft.
Ich sehe es etwas anders:
Struktur ist dein Geländer, damit du dich nicht verzettelst und deine Energie besser einsetzen kannst.
Das kann bedeuten:
feste Zeitfenster für bestimmte Themen (z. B. vormittags Fokus, nachmittags Kreatives)
eine Wochenplanung, in der klar steht: Was ist jetzt dran, was später?
ein Journal oder Kalender, in dem du Ideen sammelst, damit sie nicht dauernd in deinem Kopf Karussell fahren
Wenn du magst, kannst du z. B. mit Bullet Journaling oder einem kombinierten Coaching-Kalender arbeiten – also einem System, in dem Planung und Selbstreflexion zusammenkommen. Wichtig ist nicht das perfekte Produkt, sondern dass du etwas findest, das zu deinem Gehirn passt.
Schreibst du Dinge auf, entlastest du dein Gehirn.
Was auf Papier steht, muss nicht mehr im Kopf kreisen. Zum Beispiel mit diesem Kalender: KLICK!

Du wirst dich nicht in einen Menschen verwandeln, der 30 Jahre das Gleiche macht – und das ist gut so.
Statt gegen deine Lust auf Neues anzukämpfen, kannst du sie bewusst gestalten:
Schreib dir eine Bucket List: Dinge, die du lernen, erleben, ausprobieren möchtest.
Ohne Zensur, einfach alles drauf.
Markiere 1–3 Dinge, die dich jetzt am meisten rufen.
Entscheide dich dann bewusst: „Das ist mein nächster Versuch. Und das andere darf warten.“
So nutzt du deinen Wissensdurst, ohne dich komplett zu verzetteln.
Nicht jede neue Idee muss sofort umgesetzt werden.
Manche dürfen in deinem „Ideen-Parkplatz“ landen, bis ihre Zeit gekommen ist.
Scanner-Persönlichkeiten, sensible Menschen, vielbegabte Köpfe – sie alle haben eines gemeinsam:
Sie passen nicht in die klassische „Ich habe EIN klares Lebensthema und bleibe für immer dabei“-Erwartung.
Und genau das ist okay.
Wenn du deine Vielbegabung anerkennst und annimmst,
kannst du ein viel friedlicheres Verhältnis zu dir selbst entwickeln:
zu deinen kreativen Ideen
zu deiner Energie
zu deiner Art, die Welt zu sehen
Du musst dich nicht kleiner machen, nur um „normal“ zu wirken.
Du darfst lernen, deine Vielfalt zu führen – liebevoll, klar und mit einem Augenzwinkern.
Wenn du magst, kannst du auf meiner Website den Scanner-Test machen und schauen, was du wiedererkennst – und wie du von dort aus weitergehen möchtest.
Und egal, wie du dich nennst:
Du bist nicht falsch, weil du viel willst.
Du bist lebendig.