

Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Hochsensibilität. Auf der Übersichtsseite zu Hochsensibilität findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als hochsensibler Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Hochsensibilität
Du bist müde. Wirklich müde. Der Tag war lang, du hast funktioniert, du hast geliefert. Und jetzt ist Abend. Du könntest schlafen. Du solltest schlafen. Aber dein Kopf geht einfach nicht aus.
Ich erzähl dir kurz, was mir letzte Woche passiert ist. Ich war auf einem Netzwerkevent. Schöne Location, nette Menschen, gute Gespräche. Ich war präsent, ich war dabei, ich habe mich sogar richtig gut gefühlt.
Und dann bin ich nach Hause gefahren. Ich saß in meinem Tesla auf dem Parkplatz und bin einfach nicht losgefahren. Da war so viel gleichzeitig in mir, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen soll.
Was noch in mir saß
Das Gespräch mit der Frau, die mir von ihrer Situation erzählt hat.
Die Energie des Raumes, die vielen Stimmen.
Die Entscheidungen zwischendurch: Was sage ich wem? Wie stelle ich mich vor?
Alles noch da. Wie ein Browser mit zwanzig offenen Tabs.
Ich war weder traurig noch gestresst. Ich war einfach voll. Zuhause hat das nicht aufgehört. Im Bett hat mein Kopf weitergemacht. Irgendwann um halb zwei nachts kam der Gedanke: Ich bin doch gern gegangen. Warum kann ich jetzt nicht einfach schlafen?
Wenn du das kennst, ist dieser Beitrag für dich.
Tagsüber funktionieren, präsent sein, durchhalten. Und abends liegt man da und kommt einfach nicht zur Ruhe. Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Muster.
Eine typische Situation
Sandra, 38, Großraumbüro, zwei Kinder, weiß seit einem Jahr, dass sie hochsensibel ist. Ihr Abend: Kinder ins Bett, kurz aufs Handy, eine Serie, weil sie sich das verdient hat. Um 23 Uhr liegt sie im Bett – und ist hellwach.
Ihr Kopf geht durch: Das Gespräch mit der Kollegin, das irgendwie komisch war. Die Nachricht, auf die sie noch nicht geantwortet hat. Der Moment, wo ihr Sohn heute traurig wirkte. Das Geräusch im Büro, das sie den ganzen Nachmittag genervt hat.
Klingt nach Kleinigkeiten. Zusammen ist das eine ganze Menge.
Hochsensible verarbeiten tagsüber nicht weniger als andere. Sie verarbeiten mehr. Tiefer. Feiner. Und abends, wenn es endlich still wird, fängt das Nervensystem erst richtig an zu sortieren. Der Tag ist vorbei – aber das System läuft noch.
Was machen die meisten abends, um runterzukommen? Serie schauen. Handy. Noch schnell Nachrichten checken. Vielleicht noch etwas essen. Und dann ins Bett.
Was das ist
Das Ende von noch mehr Input. Kein Übergang, sondern eine Verlängerung des Tages.
Was ein Schlafritual ist
Ein echtes Signal an dein System: Der Tag ist vorbei. Du darfst jetzt ankommen.
Für ein sensibles Nervensystem ist Vollgas fahren und dann sofortiges Stillstehen nicht möglich. Es braucht eine Bremsphase. Kein aufwendiges Ritual. Einen echten Übergang.
Such dir das raus, was sich für dich machbar anfühlt. Du brauchst nicht alle vier auf einmal.
1. Reize früher reduzieren
Ab 21 Uhr kein Handy mehr. Keine Nachrichten, keine News, keine Inhalte, die dich emotional anspringen. Ein sensibles Nervensystem braucht Vorlauf. Ich hab das selbst ausprobiert: Nach zwei Wochen habe ich gemerkt, dass ich schneller einschlafe. Mein System konnte schon früher anfangen, runterzufahren.
2. Einen bewussten Übergang schaffen
Eine Tasse Tee, die du wirklich trinkst und nicht nebenbei. Zehn Minuten spazieren. Musik ohne Text. Der Inhalt ist weniger wichtig als die Absicht: Du sagst deinem System, dass jetzt etwas anderes kommt. Eine Klientin schreibt jeden Abend drei Sätze: Was war heute schwer. Was war heute gut. Was ich morgen loslassen darf. Hat ihr das Einschlafen wirklich verändert.
3. Den Kopf vorher entleeren
Alles aufschreiben, was noch offen ist – bevor du ins Bett gehst. Nicht um es zu lösen. Damit dein Kopf weiß: Es ist notiert, ich muss es nicht festhalten. Das Bett wird damit kein Arbeitsplatz mehr.
4. Aufhören, den Schlaf zu erzwingen
Wer nicht schlafen kann und sich darüber ärgert, schläft noch weniger. Was hilft: Ruhe anbieten, den Schlaf nicht erzwingen. Ein Hörbuch mit ruhiger Stimme. Eine Atemübung: Vier Sekunden einatmen, vier halten, acht ausatmen. Dein Nervensystem bekommt etwas Sicheres – und das reicht oft.
Was du dir mitnehmen darfst
Du merkst, dein Nervensystem trägt gerade sehr viel?
Wenn sich das nicht nur abends zeigt und du verstehen möchtest, was dahintersteckt und welcher nächste Schritt für dich stimmig wäre, buch dir gerne ein kostenfreies Orientierungsgespräch. Wir schauen gemeinsam auf deine Situation.