

Scanner
Diese Podcastfolge ist Teil der Themenwelt Scanner. Auf der Übersichtsseite zu Scanner findest du weitere Beiträge, Podcastfolgen und praktische Tipps, wie du als vielseitiger Mensch deinen Alltag leichter gestalten kannst.
Nicole · Frau Sensibel · 9 Min. Lesezeit
Einer der Gründe, warum Scanner-Persönlichkeiten oft unterschätzt werden, ist, dass sie als unentschlossen oder unkonzentriert angesehen werden. Viele Menschen glauben, dass es besser ist, sich auf eine Sache zu spezialisieren und sich darin zu perfektionieren, anstatt viele verschiedene Interessen zu haben.
Vielleicht kennst du auch Sprüche wie: „Bei dir erkennt man einfach keinen roten Faden“ oder „Konzentrier dich doch endlich mal auf ein Thema.“
Für Scanner-Persönlichkeiten ist das tatsächlich eine große Herausforderung. Ich beschreibe das am besten aus meiner eigenen Erfahrung: Häufig, wenn ich von einem neuen Thema höre, bin ich erstmal interessiert. Ich möchte mir am liebsten direkt und unverzüglich einen besseren Überblick zu dem Thema verschaffen und schauen, ob das Interesse bleibt oder ich nur eine Information dazu benötige.
Wenn mich das Thema dann weiterhin interessiert, sauge ich quasi alles dazu auf und filtere mir die wichtigsten Informationen heraus.
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Ich habe das in der Grundschule gelernt. Nun lachen mich im Internet so kleine Figuren wie Einhörner an. Das MUSS ich machen. Ich schaue mir Videos dazu an, besorge mir alles, was ich brauche, fange an, setze um.
Ich kann’s wieder, also höre ich auf. End of Story.
Und das führt dazu, dass andere denken, ich bin unkonzentriert oder ziehe nicht durch, weil ich mich eben nicht weiter damit beschäftige.
Ein weiterer Grund, warum Scanner-Persönlichkeiten oft unterschätzt werden, ist, dass sie in der Regel nicht gut darin sind, ihre Stärken zu präsentieren. Sie haben oft Schwierigkeiten, ihre breite Palette an Fähigkeiten und Erfahrungen in ein einheitliches Narrativ zu pressen, was es schwierig macht, ihre Talente in einer Weise zu präsentieren, die von anderen leicht verstanden werden kann.
Mir zum Beispiel fällt es schwer, alles, was ich einmal gelernt habe, in eine passende Story zu verpacken, die mein Gegenüber genauso sinnvoll wahrnimmt wie ich. Und deswegen fallen immer wieder meine erlernten Fähigkeiten „unter den Tisch“.

Mein Gegenüber kann sich gar nicht alles merken, was ich schon gelernt oder gemacht habe. Für mich war diese Entwicklung logisch, ich habe bestimmte Verknüpfungen dazu. Auch hier ein Beispiel:
Mein Werdegang
Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, nebenbei an der Abendschule Fachabi.
Ausbildung Kauffrau für Bürokommunikation, nebenbei an der Abendschule Betriebswirt für Marketing und Business English.
Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben und ihre Handlungen verstehen, also habe ich angefangen, Psychologie zu studieren.
Das führte mich zu meiner ersten Coaching-Ausbildung, weil ich mich besser verstehen wollte, und auch zur Hypnose.
Dann machte ich bei einer Werbeagentur weiter, die durch die Marketingausbildung auf mich aufmerksam geworden war. Zeitgleich warb mich ein TK-Vertrieb ab, bei dem ich zuvor mal eine Bewerbung abgegeben hatte. Ich baute den Vertrieb in einer Region auf und aus, führte einen Shop und bildete mich mit weiteren Coaching- und Trainerausbildungen weiter.
Parallel hatte ich mich mit Finanzdienstleistungen und Vertrieb selbstständig gemacht. Büro- und Vertriebsservice, Coaching, Training führte mich zu den Achtsamkeitsmethoden.
Trainer für Entspannungstechniken, Duft-Qi-Gong, PME/PMR (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson), Wing Wave, EMDR, Hypnose, Yoga, EFT/PEP (Klopftechniken), LEGO® SERIOUS PLAY®, Meditation, Ernährungsberatung und einiges mehr.

Oder die Kurzform: Ausbildung 1, 2, Menschen, mehr von Psychologie verstehen, Coaching-Ausbildung, Marketing, Werbeagentur, Vertrieb, Coaching-Weiterbildungen, Körper, Geist, Seele.
Und wenn ich das jetzt so durchlese, fällt mir auf, dass ich noch einiges vergessen habe.
Ein weiterer Grund ist, dass viele Menschen, insbesondere in traditionellen Arbeitsumgebungen, die Vorstellung haben, dass Erfolg davon abhängt, sich auf eine Karriere oder Branche zu spezialisieren und darin aufzusteigen. Doch Scanner-Persönlichkeiten haben oft eine breitere Perspektive, die es ihnen ermöglicht, in vielen Bereichen erfolgreich zu sein.
Dadurch, dass Scanner sich für so vieles interessieren, sind sie oft auch in ihrem Wissen sehr breit aufgestellt und können viele Dinge direkt umsetzen oder auch Zusammenhänge schnell erkennen und durchschauen. Wenn sie dann aber darüber sprechen, wirkt das für Nicht-Scanner oft unlogisch, da diese eventuell nicht über die Fülle der Informationen verfügen wie ihr Gegenüber.
Außerdem kann ein Grund sein, dass Scanner-Persönlichkeiten oft mit einer gewissen Unruhe assoziiert werden. Sie haben oft das Bedürfnis, neue Dinge auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln, was als ungeduldig oder unzufrieden angesehen wird.
Dabei brauchen sie einfach mehr Input als Nicht-Scanner, um ihren Wissensdurst und ihr Interesse zu befriedigen.
Und ein Grund, den ich selbst immer wieder wahrnehme: Das Zuhören und echte Interesse am Gegenüber führt dazu, dass sich die Wahrnehmung des Gegenübers verändert.
Ich zum Beispiel werde oft als Quasselstrippe wahrgenommen, dabei bin ich, sofern mich mein Gegenüber oder ein Thema wirklich interessiert, eine sehr gute Zuhörerin. Und zwar durch aufnehmendes Zuhören. Ich nenne es auch gerne „professionell zuhören“. Das läuft in drei Phasen ab:
1. Ich stelle meine eigenen Gedanken und Themen zurück, schweige, und schenke dem Gegenüber durch Blickkontakt, Kopfnicken und meine zugewandte Körperhaltung meine Aufmerksamkeit.
2. In der Phase des Verstehens wiederhole ich das Gesagte meines Gegenübers, und dieser hat dann die Möglichkeit, das Gesagte zu unterstreichen oder zu ergänzen.
3. In der Phase des Untersuchens hake ich nach und frage nach weiteren Informationen, durch die erneute Wiederholung mit meinen eigenen Worten.
Es gibt zwei Phänomene, die dann auftreten können:
a) Der andere darf viel über sich selbst reden, Menschen erzählen meist gerne über sich. Aber durch meine Art des Zuhörens bekommt mein Gegenüber ab und an das Gefühl, dass ich selbst nicht wirklich „anwesend“ bin, oder, dass ich, weil ich meine eigenen Ideen und Erfahrungen zurückhalte, „nicht so wichtig“ bin. Tatsächlich nehme ich mich zurück, aber nur, um besser zuzuhören.
b) Mein Gegenüber hat das Gefühl, dass ich viel mehr geredet habe, weil ich zum Beispiel eine längere Erzählung von ihm mit meinen Worten kurz zusammengefasst habe.
Dadurch erscheint der Zuhörer, der ja nicht mal über sich erzählt hat, irgendwie nicht greifbar. Zusätzlich kommt es auf die Körperhaltung an: Wenn ich zum Beispiel meinen Kopf zuhörend zur Seite neige, um meine Vertrauenswürdigkeit zu erhöhen, wirke ich auf mein Gegenüber gegebenenfalls unsicher.
Das Ganze passiert eher unbewusst, und zwar auf beiden Seiten. Es führt aber auch wiederum dazu, dass der zuhörende und interessierte Scanner eher unterschätzt wird, einfach, weil das Gegenüber ihn nicht wirklich wahrnimmt und wenig Informationen von der Person erhalten hat.
Manches Mal liegt es auch an der mangelnden oder auch zu schnellen Entscheidungsfreude der Scanner, dass sie unterschätzt werden. Viele halten sie auch für naiv. Aber dazu hör gerne in die Folge #082 – Lebensentscheidungen treffen als Scanner-Persönlichkeit rein.
Was sagst du? Sind dir die Gründe alle schon bekannt gewesen, oder hast du hier auch etwas Neues mitnehmen können? Über deine Rückmeldung freue ich mich.
Magst du das gemeinsam anschauen?
Wenn du dich als Scanner-Persönlichkeit oft unterschätzt fühlst, lass uns in Ruhe sprechen. In einem kostenlosen Orientierungsgespräch schauen wir, was dir guttun würde.