Podcast · Folge 204

Wenn der Job dich auffrisst: Warum Hochsensible sich im Beruf so oft überfordert fühlen

Du sagst Ja, übernimmst Verantwortung und bist abends leer? Warum Hochsensible sich im Job oft überfordern und wie du besser mit deiner Energie haushältst.

Erschöpfte Frau sitzt am Schreibtisch im Büro und stützt den Kopf in die Hände

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Du fühlst dich überfordert im Job und kommst abends völlig leer nach Hause. Vielleicht sagst du noch zu einer Aufgabe Ja, obwohl du schon müde bist. Oder du fühlst dich für Probleme im Team verantwortlich und kannst nach Feierabend schwer abschalten.

Woher kann Überforderung im Job kommen?

Überforderung im Job hat selten nur eine Ursache. Oft steckt schlicht zu viel Arbeit dahinter: zu viele Aufgaben, zu wenig Personal, unklare Zuständigkeiten oder ständige Unterbrechungen. Auch Konflikte im Team, fehlende Wertschätzung oder eine Stelle, die nicht mehr zu dir passt, können dich dauerhaft auslaugen. Dann liegt ein großer Teil der Lösung in den Arbeitsbedingungen und nicht bei dir.

Manchmal ist Überforderung aber auch ein Warnsignal. Wenn du dich seit Wochen erschöpft fühlst, auch am Wochenende oder im Urlaub nicht mehr auftankst, schlecht schläfst, dich innerlich leer oder niedergeschlagen fühlst oder dir Dinge keine Freude mehr machen, kann ein Burnout, eine Depression oder eine Angststörung dahinterstecken. Auch körperliche Ursachen, etwa eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Eisenmangel, können sich als anhaltende Erschöpfung zeigen. Lass das bitte ärztlich abklären – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger erster Schritt. Wenn es dir sehr schlecht geht, erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Und manchmal kommt der Druck vor allem von innen. Auch Hochsensibilität kann bei deiner Überforderung eine Rolle spielen. In dieser Folge geht es um den inneren Druck, Ja zu sagen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Wie du mit Reizüberflutung im Job umgehst, hörst du in Folge 133: Zu viel, zu laut, zu schnell. Diese Folge ersetzt keine medizinische Abklärung.

Du möchtest typische Merkmale bei dir einordnen? Der kostenlose Hochsensibel-Test mit 30 Fragen gibt dir eine erste Selbsteinschätzung. Weitere Beiträge findest du im Guide zu Hochsensibilität.

Wenn Erschöpfung keinen Grund zu haben scheint

Du prüfst deinen Tag im Kopf noch mal durch und findest keine Erklärung. Kein Konflikt, kein Vorfall, kein Zeitdruck, der objektiv außergewöhnlich gewesen wäre. Trotzdem ist da diese bleierne Leere. Bei vielen Hochsensiblen hat diese Erschöpfung wenig mit den Reizen im Büro zu tun, dem Lärm, dem Licht, den vielen Stimmen gleichzeitig. Sie entsteht woanders: innerlich, durch den ständigen Anspruch, mehr zu leisten und mehr aufzufangen, als eigentlich in einem Arbeitstag steckt.

Warum gerade Hochsensible so oft über ihre Grenze gehen

Wer hochsensibel ist, verarbeitet Eindrücke tiefer und gründlicher. Das gilt auch für Aufgaben: Du denkst sie nicht nur ab, du denkst sie durch, mit allen Eventualitäten und allen Menschen, die davon betroffen sein könnten. Dazu kommt ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der dich fast automatisch mitverantwortlich fühlen lässt, wenn im Team etwas schiefläuft. Und ein starkes Harmoniebedürfnis, das ein Nein mehr Überwindung kostet als ein weiteres Ja. Diese Eigenschaften machen deine Arbeit oft besonders wertvoll. Sie machen sie aber auch anstrengender, weil du selten wirklich fertig bist mit einer Sache, bevor du zur nächsten übergehst.

Der Unterschied, der vieles verändert

Genau diese Unterscheidung ist der Hebel: Ist das gerade wirklich meine Aufgabe, oder übernehme ich es, weil ich das Gefühl von Überforderung bei jemand anderem nicht aushalte? Diese Frage allein schafft schon Abstand zum automatischen Ja. Ein einziger Satz reicht oft, um dir diesen Abstand zu verschaffen: "Lass mich kurz draufschauen, ich melde mich gleich."

Wenn es nicht nur ein Muster ist

Manchmal steckt hinter dieser Überforderung noch etwas Größeres: das leise Gefühl, dass die Rolle oder der Job an sich nicht mehr zu dir passt, und dass du dich Tag für Tag verbiegst, um zu funktionieren. Wenn das bei dir mitschwingt, ist das ein guter Moment, genauer hinzuschauen. Was ein erstes Gespräch dazu mit mir bedeutet und wie es abläuft, erzähle ich ausführlich in Folge 171.

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